Artenschutz


Illegaler Handel ist kein Kavaliersdelikt

„Seltene Wildtiere und Wildpflanze sind weltweit gefährdet, auch durch illegalen Handel“, erklärte Umweltstaatssekretär Stefan Birkner zum „Tag des Artenschutzes“ am 03.März. „Urlauber, die Souvenirs kaufen, die aus seltenen wild lebenden Tieren und Pflanzen hergestellt sind, wissen oft nicht, was sie tun. Ganz zu schweigen vom Erwerb und der Einfuhr von seltenen lebenden geschützten Tieren und Pflanzen.“ Jährlich werden vom Zoll in Deutschland große Mengen an „Reisemitbringsel“ beschlagnahmt. Allein in Niedersachsen waren es im vergangenen Jahr 117 lebende Wildtiere.

„Illegaler Handel ist kein Kavalierdelikt“, betonte der Staatssekretär. „Jeder, der entsprechende Kaufabsichten hegt, sollte sich vorher informieren.“ Umfassende weltweite Artenkenntnisse haben die Fachleute des NLWKN, hier lagern zeitweilig die von den niedersächsischen Behörden eingezogenen Handelsobjekte. Die Artenschutz-Experten beraten, schulen und unterstützen sowohl die Landkreise und Kommunen, aber auch die Staatsanwaltschaften, die Polizei und die Zollfahndung. Dieses effektive Zusammenspiel mit den Vollzugsbehörden vor Ort hat in den vergangenen 30 Jahren bewirkt, dass zum Beispiel der illegale Handel mit Greifvögeln, Papageien und heimischen Singvögeln stark eingedämmt werden konnte. In diesem Jahr wollen sich die Naturschutzbehörden verstärkt dem illegalen Handel mit Reptilien widmen.

„Beschlagnahmte oder eingezogene exotische Tiere werden zunächst in einigen der insgesamt 15 Niedersächsischen Betreuungsstationen aufgenommen“, erläuterte Birkner. „Sie werden dort von Naturschutzverbänden oder Privatpersonen betreut, ehrenamtlich und zum Teil rund um die Uhr. Für dieses herausragende Engagement bedanke ich mich herzlich.“ Das Niedersächsische Ministerium für Umwelt und Klimaschutz unterstützt die Stationen jährlich mit rund 500.000 Euro.

Sehr viele Tier- und Pflanzenarten sind seit Jahrzehnten durch den internationalen Handel weltweit in ihrem Bestand bedroht. 1973 wurde das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES) beschlossen, um diesem Ausverkauf wirksam entgegenzuwirken. Mittlerweile haben 172 Staaten das Übereinkommen unterzeichnet. Es wird auf ca. 5.000 Tierarten und etwa 28.000 Pflanzenarten angewendet. Nur mit Genehmigung des Bundesamtes für Naturschutz ist es erlaubt, Exemplare dieser CITES-Arten und auch aus ihnen hergestellte Teile und Erzeugnisse nach Deutschland einzuführen. Immer neue Arten müssen auf Grund der Bedrohung durch den internationalen Handel in die CITES-Listen aufgenommen werden.

Wie der illegale Handel funktioniert

Der illegale Handel mit Papageien, Schildkröten, Affen, Orchideen oder Kakteen ist ein Milliarden-Geschäft. So liegt der Preis für eine junge Strahlenschildkröte zurzeit bei etwa 1.500,- Euro. Im Ursprungsland Madagaskar werden wenige Dollar für ein solches Tier bezahlt. Diese hohe Gewinnspanne ist die treibende Kraft, Wildtiere und Wildpflanzen aus den Ursprungsländern zu schmuggeln, da finanzkräftige Einzelpersonen um jeden Preis die letzten Exemplare aussterbender Tier- oder Pflanzenarten oder neu entdeckter Arten besitzen wollen. Einen großen Anteil am Ausverkauf dieser seltenen Tiere und Pflanzen haben Touristen mit Fernreisezielen.

Auch werden die illegal eingeführten Tiere und Pflanzen inzwischen über das Internet in den Verkehr gebracht. Das Handelsvolumen hat mittlerweile das des regulären Handels überstiegen. Dort häufen sich in den letzten Jahren allerdings auch Fälle von Internetkriminalität. Es handelt sich dabei z. B. um Angebote von Papageien, jungen Affen und Schildkröten, die zu Preisen angeboten werden, die weit unter den üblichen Marktpreisen liegen. Die Angebote sind in schlechtem Deutsch verfasst, da die Texte mit einem Übersetzungsprogramm erstellt wurden. Alle Kontaktaufnahmen erfolgen per E-Mail. Die interessierten Käufer werden aufgefordert, oft mehrere hundert Euro Transportkosten zu zahlen. Die Tiere sind jedoch nicht existent und die Käufer werden betrogen.

Mehr zum Internationalen Artenschutz: http://www.nlwkn.niedersachsen.de

Material von der BBC:

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