Reisebericht – Seychellen


Hallo zusammen,

mit gehöriger Verspätung setze ich meinen sehr ausführlichen Reisebericht  nun endlich auch in den TRAUMINSEL BLOG. Und los geht´s:

“Hallo zusammen,

viele Grüße von der wolkenlosen Insel La Digue! Ich fange mal ganz vorne an:

Donnerstag, 05. März 2009:

In einigen Stunden startet der Flieger in Düsseldorf! Koffer und Handgepäck (Fototrolley von „ThinkTank“) sind gepackt, ich habe an alles gedacht. Das Handgepäck ist definitiv zu schwer, der Trolley wiegt ja schon leer sechs Kilo, also besser mal Probewiegen: Aaaarrghhh, der Koffer hat 29 Kilo und das Handgepäck 19,5!! Erlaubt sind 20 + 7. Also mal schnell bei EMIRATES anrufen und fragen, ob es vielleicht für Fotografen auf „Dienstreise“ – ich habe ja mehrere Jobs vor Ort, nämlich das Fotografieren von zwei deutschen Hochzeiten (eine auf La Digue, eine auf Praslin; Bilder gibt es auf http://www.hochzeit-seychellen.de zu sehen!) und neue Fotos für das Hausprospekt des Lemuria Resort – Sonderregelungen gilt. Pustekuchen, jedes Kilo Übergepäck – egal ob im Koffer oder im Handgepäck – wird mit 50 Euro (!!!) berechnet, wie mir der völlig humorresistente Herr an der Hotline mitteilt. Wird das Handgepäck denn überhaupt gewogen? „Ja, natürlich – immer! Sie könnten allerdings 25.000 Meilen aus unserem Bonusprogramm kaufen, würden dann zumindest von Düsseldorf nach Dubai in der Business fliegen und dürften auf dieser Strecke 30 Kilo im Koffer mitführen. Kostet nur 616 Euro!“. Uff! Also Koffer wieder öffnen und alles raus, was nicht lebensnotwendig ist. Als erstes fliegt das Hochstativ raus, welches zwar geile Bilder geliefert hätte, aber auch über 3 Kilo auf die Waage bringt. Sabrinas Überraschung, die sie heimlich in den Koffer gepackt hatte (Schokolade ohne Ende) kommt als nächstes dran. Da ich ohnehin etwa 2 bis 5 Kilo *gg* schwerer bin als beim letzten Besuch auf La Digue vor über 4 Jahren (ja ja, die Last des Nichtrauchens…), ist das ohnehin besser ohne Schokolade.

Am Flughafen

Erst eine Stunde vor Abflug bin ich am Flughafen. Keine Touristen stehen mehr am Schalter der EMIRATES, ich komme sofort an die Reihe. Die Dame am Schalter nimmt mein Ticket und den Reisepass, tippt auf ihrer Tastatur rum, guckt, tippt noch mal, guckt wieder, nimmt den Telefonhörer in die Hand und sagt zu irgendwem „ich benötige noch einen Sitzplatz für Herrn Dickmann!“. Da die Economy überbucht ist, bekomme ich einen Wohlfühlplatz in der ersten Reihe der Business Class. Mit einem breiten Grinsen hole ich mein überschweres Handgepäck aus dem Auto, in dem Sabrina draußen wartet. Freundin und Hund werden noch ein letztes Mal geknuddelt, das eine oder andere Tränchen fließt, und dann schnell ab zum Gate. Gewogen wird mein Handgepäck übrigens nicht mehr, weder in Düsseldorf, noch in Dubai oder auf Praslin. Wir sind vielleicht zwei Minuten in der Luft, da habe ich schon alle Funktionen meines Sitzes getestet und liege fast in der Horizontalen. Die Füße ruhen auf der Fußlehne, die man selbstverständlich auch noch in Länge und Neigung variieren kann. Mit einem breiten Grinsen liege ich also 11.900 Meter über dem Erdboden und genieße zum ersten Mal im Leben einen Flug so richtig! Frische Säfte und Sekt werden ausgeteilt – in echten Gläsern, versteht sich. Und dann kommt die Menükarte: zwei Vorspeisen, Wahl aus fünf verschiedenen Hauptgerichten, zwei verschiedene Desserts. Nicht, dass ich auf so etwas großen Wert lege, aber das „echte“ Besteck und die frische Rose, die jeder Gast in der Business bekommt, haben schon was! Während des Essens wird permanent das gewählte Getränk nachgefüllt und vier verschiedene Brotsorten (u.a. frisches Knoblauchbaguette) werden gereicht. Boah, wat kann Fliegen schön sein! Nach dem Essen dann ein Novum für mich, ich schlafe zwei Stunden entspannt in der nahezu Horizontalen. Herrlich!

Dubai

Landung in Dubai kurz vor Sonnenaufgang, 23 Grad Lufttemperatur. Mein Koffer wurde in Düsseldorf direkt bis Mahé durchgecheckt, also mit dem Handgepäck durch alle waagenlosen Kontrollen zum Wartebereich am Abflugterminal. Ein leckerer Obstsalat, ein Muffin und eine kleine Flasche Wasser schlagen mit 10 Euro zu Buche. Dann ab in die Maschine, diesmal Economy. Nur etwa jeder dritte Platz ist belegt. Ich setze mich ans Fenster und genieße die Aussicht beim Start. Wir fliegen genau über „The World“, bisher sind das nur kahle Sandhaufen. Und ich habe einen tollen Blick auf das „neue höchste Gebäude der Welt“. Dieser Turm überragt alle anderen Gebäude um Längen! Irgendwie ganz schön gaga… Ich esse und trinke, lese ein wenig, und irgendwann verlässt der Airbus die Reiseflughöhe und nimmt Kurs auf Mahé. Bei wolkenlosem Himmel landen wir. Beim Verlassen der Maschine „climate shock as usual“: Die tropische, feucht-warme Hitze animiert jeden zweiten deutschen Touri zu einem „boah, krass!“. Ab durch die Passkontrolle, Koffer vom Band nehmen und rüber zum Inlandsflughafen. Dort das übergewichtige Handgepäck hinter einer Säule verstecken, den Koffer als Gepäck aufgeben, Handgepäck unauffällig holen und ab in das klimatisierte Warteräumchen. Warten, dann Einsteigen. Erste Reihe links, Fensterplatz am Notausgang. Die „Müllinsel“ am Flughafen wir immer höher, mehrere Bagger sind dort in Aktion. 15 Minuten später tolle Aussichten beim Landeanflug: Die Anse Volbert zeigt sich in voller Pracht, Chauve Souris, die Anse Lazio mit 18 sichtbaren Besuchern (ich danke der Zoomfunktion meiner EOS!) und Anse Georgette mit 13 Gästen. Nach der Landung kurz auf den Koffer warten und raus aus dem Gebäude. Mein Taxi wartet bereits. Ich komme umgehend mit dem netten Fahrer ins Gespräch. “All prices are exploding, cost of living is rising and rising, but they are building new and very expensive hotels. They say that these expensive hotels are good for us, but we don´t think so. Everybody hopes that it is getting better soon, but we will have to wait until 2011. We have an election in 2011 and are hoping for a change. It won´t get any better before 2011.” Ins Vallée de Mai zahlt man mittlerweile 400 Rupien Eintritt – das sind derzeit rund 20 Euro. Ich erinnere mich noch dunkel an 25 Rupien, und das waren damals rund 4 Euro wenn ich mich recht entsinne.

Der Weg zum Hotel

Am Flughafen auf Mahé hatten alle Banken mit Ausnahme des Inders geschlossen, also wechsele ich erst am Hafen von Praslin. Für 100 Euro erhalte ich 2.060 Rupien. Ab aufs Boot (war das beim letzten Mal auch schon zweistöckig? Ich staune echt, wie viel ich doch in der seychellenlosen Zeit vergessen habe!), die Überfahrt ist enorm ruhig, das Wasser fast spiegelglatt. Deutlich sieht man vom oberen Deck einige Fischschwärme, deren Farbenpracht von der Sonne reflektiert wird. Ich stehe die ganze Zeit dort oben, so weit vorne wie es eben geht und bestaune schon aus der Ferne „meine“ Insel. Je näher wir La Digue kommen, desto größer wird meine Vorfreude. Die Einfahrt in den Hafen hat auch diesmal wieder diesen „Willkommen im Paradies!“-Effekt. Am Hafen wartet Danni bereits mit dem Ochsenkarren. Und wie es scheint, freut er sich genau so sehr wie ich über das Wiedersehen! Eine herzliche Umarmung und sein Dauergrinsen sind jedenfalls ein schöner Start. Als einziger Gast nehme ich auf dem Ochsenkarren Platz, und ab geht es, die paar Meter rüber zur „Villa La Passe“, vielen vielleicht besser bekannt als „Kot Babi“. Babi ist ein witziger Typ, begrüßt mich freundlich, schenkt mir einen kleinen Willkommenssaft ein und zeigt mir mein Zimmer. Ich war auf nichts Dolles eingerichtet, aber das, was ich sehe, ist mehr als genug für einen Alleinreisenden und überrascht mich positiv: Ein großes Doppelbett (mit schönen harten Matratzen!), eine gut funktionierende Klimaanlage, Deckenventilator, kleiner Kühlschrank, großer Kleiderschrank, Schreibtisch mit Stuhl. Große Fensterfläche zur Veranda, die allerdings „nur“ den Blick auf eine grüne Hecke und einige Bäume erlaubt. Aber Meerblick gibt es ja ohnehin nicht bei allzu vielen Unterkünften auf La Digue, und ich wusste ja vorher, dass die Villa La Passe auf der „falschen“ Seite der Straße liegt. Doch zurück ins Zimmer: Im Bad eine gut funktionierende Dusche nebst Toilette und Handwaschbecken. Mehr brauche ich nicht!

Die Insel La Digue

Es ist 17 Uhr, als ich meinen Koffer aus-, sowie Schrank und Bad eingeräumt habe. Mit Kamera und Stativ bewaffnet, mache ich mich auf den Weg, um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Natürlich ist 17 Uhr noch ein wenig früh, also marschiere ich erst mal ein Stück nach Norden, weg vom Hafen. Und schon nach wenigen Schritten stelle ich fest, dass hier heftig gebaut wird – auf beiden Seiten der Straße. „Big hotel“ ist das einzige, was ich aus dem indischen Bauarbeiter heraus bekomme, der sich sehr für meine Kamera interessiert, aber der englischen Sprache nicht so wirklich mächtig ist. Dutzende indische Arbeiter laufen herum bzw. stehen einfach irgendwo und unterhalten sich. Recht entsetzt über die Größe dieser Baustelle (soll das alles mal zum Domain de L´ Orangerie gehören?? Ich werde es herausfinden) laufe ich wieder zurück Richtung Hafen, da ich feststelle, dass die Sonne schon sehr bald hinter Praslin verschwinden wird und ich es vorher keinesfalls schaffen werde, noch bis zur Anse Severe zu laufen. Und so ist es auch, keine fünf Minuten später ist die Sonne schon verschwunden und ich habe nur ein paar Bilder „auf die Schnelle“ machen können. Na gut, morgen laufe ich etwa früher los.

Zurück in der Unterkunft dusche ich ein zweites Mal, telefoniere mit meiner Süßen und gehe dann auf die gemütliche Veranda – welche direkt am Eingang und somit zur Straße gewandt liegt – zum ersten Abendessen. Babi war früher Koch bei einer sehr gut betuchten Familie (ein Schar?) und hat heute neben einem sehr schmackhaften Chicken Curry auch einen großen Red Snapper gegrillt. Dazu gibt es einen grünen Salat mit ein paar Zwiebeln sowie einen Gurkensalat und Reis. Alles schmeckt hervorragend, sogar die Salatgurken, welche ich in der Heimat eher verschmähe, schmecken mir recht gut. Ein italienisches Paar leistet mit beim Essen Gesellschaft, mehr Gäste hat Babi heute nicht. Wir kommen sofort ins Gespräch, sie spricht passables Englisch, er hört nur zu und lässt sich anschließend alles von ihr übersetzen. Die beiden sind zum ersten Mal auf den Seychellen – zwei Inseln innerhalb einer Woche! Am nächsten Tag wollen Sie schon weiter nach Praslin. Nach dem schmackhaften Dessert (Crepes mit Honig und einer Kugel Eis) geht es dann ab aufs Zimmer – Zähne putzen und ab ins Bett. Es ist kurz vor 21 Uhr und ich schlafe umgehend ein – viel zu müde bin ich noch von der nächtlichen Anreise, die nur zwei Stunden Schlaf mit sich brachte. Den Wecker stelle ich auf 07:00, da es ab 07:30 Frühstück gibt. Man will ja schließlich was sehen von der Insel!

Um 05:00 werde ich wach und muss mal für kleine Flughunde. Die Klimaanlage schalte ich aus, um sie aber 5 Minuten später wieder einzuschalten, damit Ihr leises Summen das Geschnarche übertönt, welches aus einem der anderen Zimmer kommt. Wenn ich es morgen wieder höre dann weiß ich, dass es wohl der Chef selbst ist, denn die Italiener sind ja dann bereits abgereist. Um 7 Uhr geht dann der Wecker, aber ich bin noch immer irgendwie fertig und stelle ihn auf 8 Uhr. Dann gibt´s Frühstück – seychellentypisch übersichtlich: Toast, Marmelade, Butter, frisches Obst, Kaffee oder Tee. Das war´s auch schon. Danach erneut Zähne putzen, den gesamten Astralkörper mit LSF 50 wasserfest eincremen, anziehen und ab aufs Rad, welches Danni mir besorgt hat. Das Teil ist zwar viel zu klein für mich, aber es muss zunächst seinen Zweck erfüllen, denn ich habe schnellstmöglich meine Mission zu erfüllen:

Seit meinem letzten Besuch auf La Digue im November 2004 verging wohl kein Tag in meinem Leben, an dem ich mich nicht an meinen persönlichen Lieblingsort zurück geträumt habe. Dieser Ort liegt an der Grand Anse. Um ganz genau zu sein, handelt es sich um den höchsten Punkt des Pointe Belize, also der bizarren Felsformation, welche Grand Anse und Petite Anse trennt. Im Mai 2000 habe ich länger nach einer Möglichkeit gesucht, um nach ganz oben auf den „Gipfel“ zu kommen – ohne Erfolg. Im November 2004 habe ich dann einen Weg gefunden, und seitdem ist dies für mich die geilste Stelle des Planeten! Ich bin echt froh darüber, dass Sabrina mich damals beim „Aufstieg“ sogar unten vom Strand aus fotografiert hat, denn so habe ich nun einen der besonders erinnerungswürdigen Momente meines Lebens im Bild festgehalten. Ich stehe da oben, juble, habe die Arme gen Himmel gestreckt und strahle übers ganze Gesicht. Ich muss mal einige der Fotos hochladen, dann seht Ihr, was ich meine. Auf jeden Fall hat dieser Ort seine Faszination nie verloren. Ich bin kein gläubiger Mensch, aber dort oben fühle ich mich irgendwie „erhaben“. Für mich hat es etwas Spirituelles, dort oben zu sitzen und einfach nur aufs Meer zu sehen. Also gibt es an meinem ersten Vormittag auf La Digue nur ein Ziel: Ab zur Grand Anse und hoch auf diesen Felsen! Um etwa 08:45 radle ich los. Alles ist noch wie beim letzten Mal, ich erkenne alles wieder und habe umgehend wieder dieses „Campingplatzgefühl“: Jeder grüßt jeden, alles ist irgendwie vertraut, gemütlich und familiär. Vorbei am Hospital, am verwildernden Sportplatz und rein beim „Gregoire´s“ Supermarkt, um Wasser zu kaufen. Schnell weiter, denn mein Felsen wartet! An der Schulkreuzung links ab, vorbei am „Rising Sun“, am Veuve Reserve und am Zerof´s. Über den braunen Bach, jetzt geht es deutlich steiler bergauf, aber ich biege ja sofort rechts ab auf die „Zielgerade“. Wenn die aber mal teilweise nicht so steil wäre! Aufgrund starker tektonischer Aktivität ist die Strecke übrigens von 2004 bis heute um einiges länger geworden – zumindest fühlt es sich so an. Mag aber auch an den 32 Grad liegen, die heute herrschen. Von den vereinzelten Häusern auf der rechten Seite dringen enorm entspannte Reggaeklänge an mein Ohr. Ja, gezz is Urlaub! Jetzt kommt es so richtig, dieses geile Gefühl! An der Steigung gibt es nun übrigens zwei Stände, an denen Einheimische frische Früchte verkaufen. Für mich ist das neu, im November 2004 gab es das noch nicht. Ebenfalls scheint es nun ein Gästehaus auf der rechten Seite zu geben, zumindest sitzt auf der Terrasse ein europäisch anmutendes Paar mittleren Alters. Ob das Haus dort 2004 auch schon stand? Ich bin mir nicht sicher. So, bald ist die Steigung endlich geschafft! Muss ich erwähnen, dass ich bereits vor über 5 Minuten abgestiegen bin und seitdem schiebe? Das tu ich mir in der Hitze definitiv nicht an, meinen Leib da hoch zu wuchten! So, endlich wieder aufsteigen, nochmals die Bremsen testen, okay, die funktionieren, also Schussfahrt runter! Hmmm, also der grüne Maschendrahtzaun am linken Straßenrand ist jedenfalls neu, der stand da 2004 noch nicht. Weiter weiter, die Grand Anse wartet! Mir schießt eine Aussage von Mr. Minolta durch den Kopf: 300 gezählte Italiener an der Grand Anse, zahlreiche Autos blockieren das Durchkommen, Geräuschkulisse wie auf dem Jahrmarkt (oder so in der Art zumindest). Hoffentlich hatte er das nur geträumt. Weiter den Berg runter, immer schön links fahren, ah da, gleich bin ich unten – doch was ist das? Vollbremsung, verdutzter Blick: Der Weg, der noch in 2004 der einzige Zugang zur Grand Anse war, ist völlig zugewachsen! Stattdessen biegt man nun rechts ab um dann der „alten“ Strecke parallel zu folgen. Man kommt nun nicht mehr links, sondern rechts vom Strandrestaurant aus. Na ja egal, damit kann ich leben. ich werde aber versuchen, den Grund für die Verlegung ausfindig zu machen. So, runter vom Sattel, das Fahrrad bis hoch zum Baum schieben, dort abstellen und – BÄÄMM!! Da ist er – DER Strand! Das Türkis des recht ruhigen Wassers ist unbeschreiblich, und der helle Sand macht mich fast blind! Also den Rucksack abgestellt, Sonnenbrille raus, aufgesetzt und – YEAH! Ich sehe was! Nämlich noch vier andere Touristen am Strand und zwei im Meer. Das war´s. Keine Völkerwanderung, keine Partyboote, kein Hubschrauber, sondern einfach nur der schönste Strand der Welt bei traumhaften Wetter! Ich bleibe etwa eine Minute ungläubig ob der makellosen Schönheit dieses Strandes stehen und genieße einfach nur, was ich sehe. Doch dann höre ich den Felsen rufen. „Komm her, Junge! Komm rauf! Besteig mich! Du willst es doch auch!“. Also nichts wie hin. Gar nicht mal so einfach, durch den puderzuckerfeinen Sand zu laufen – eigentlich sogar verdammt anstrengend! Also weiter weg vom Wasser bis dort, wo die Vegetation beginnt. Dort ist es zwar genau so heiß, aber es läuft sich besser. An der Lagune geht es dann ab in den Schatten, und ich muss mir erst mal einen Liter Wasser in die Figur schütten. Da ist er, der felsige Weg nach oben! Und genau so habe ich ihn auch in Erinnerung, ungleichmäßige Tritte, hier und da flitzt eine Echse vorbei, und ich nähere mich meinem persönlichen Paradies. Wie oft habe ich mich in den vergangenen vier Jahren auf diesen Moment gefreut! Mit 500 Mal dürfte ich nicht hinkommen, und jetzt ist er gleich da! Also noch einen Schluck Wasser trinken und los geht´s. Die ersten Schritte sitzen noch fest im Hirn, auch wenn ich den Weg bisher erst drei oder vier Mal gegangen bin und das letzte Mal Jahre her ist. Feste Turnschuhe sind unumgänglich! Mit hellwachem Blick erkunde ich jeden Quadratzentimeter und freue mich schon wie ein Schneekönig, gleich wohl irgendwann ganz oben zu stehen. Hier gut festhalten, dann den linken Fuß hier abstellen, die rechte Hand zieht, das linke Bein drückt mich nach oben, nun den rechten Fuß hinterher – huii, so steil war das? Aber ja doch, muss ja, Seychellengranit verändert seine Form innerhalb von vier Jahren nicht wirklich. Hier abgestützt, da festgehalten, gleich bin ich da, ja, genau hier habe ich damals meinen Rucksack abgelegt, noch ein paar Meter weiter, hier habe ich gesessen und zu Hause angerufen, noch drei Schritte weiter und – ich bin da! Fix und fertig, schweißgebadet, aber überglücklich! Es ist 9:24 Uhr. Die Aussicht raubt mir mal wieder fast den Atem. Das ist sie – „meine Stelle“! Wenn ich mal Milliardär bin, dann gehört der Felsen mir, so viel steht fest. Ich kann meine Faszination schlecht in Worte fassen, sondern werde versuchen, in ein paar Wochen Bilder sprechen zu lassen. Erwähnenswert ist jedenfalls, dass ich die Grand Anse noch nie so ruhig gesehen habe. Die beiden Touristen im Wasser sind mindestens 30 Meter vom Strand entfernt, und das habe ich bei meinen bisherigen Aufenthalten noch nicht gesehen, da Brandung und Strömung stets viel zu stark waren. Das Meer ist diesmal lange nicht so wild wie bei den bisherigen Reisen. Nachdem die ersten „Beweisfotos“ im Kasten sind, steige ich wieder runter (noch komplizierter als rauf!) und will mich davon überzeugen, dass das Wasser genau so warm ist wie der letzte Schluck in meiner Wasserflasche. Booaahh, sooo schön!!! Ich lege mich in den gefühlt 30 Grad warmen Ozean, Hände in den Nacken, Bauch Richtung Himmel und treibe mit einem breiten Grinsen einfach nur auf dem Indik. Hin und wieder wiegt mich eine größere Welle in die Höhe, aber diese sind kein Vergleich zu den Brechern, die ich von dieser Bucht bisher gewohnt war. Nach der schönsten Erfrischung des Planeten dann raus, ein wenig von der Sonne trocknen lassen, aber schnell das T-Shirt wieder drüber, denn ich merke, dass die intensive Sonne trotz LSF 50 schon ganz gut zugeschlagen hat. Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass es mittlerweile 10:30 geworden ist. Um 13 Uhr will ich mich hier mit Linda und Karsten treffen, dem Brautpaar, welches ich bisher nur vom Foto kenne. Da ich aber bald Schatten benötige und mich nicht für zweieinhalb Stunden ins Restaurant setzen will, beschließe ich, zur Unterkunft zu Radeln und später zurück zu kommen. Auf dem Rückweg von der Grand Anse kommen mir vereinzelte Touristenpaare entgegen – unter anderem auch Linda und Karsten, wie sich später heraus stellen wird. Es geht also zurück, zunächst das Rad den Hang hinauf schieben, vorbei am grünen Maschendrahtzaun, an der höchsten Stelle dann aufsteigen und den Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Ich fahre diesmal aber nicht bis zur Kreuzung, sondern biege kurz vor der Villa Mon Reve links ab. Gab es diese Straße im November 2004 auch schon? Ich denke eher nicht, denn sonst wäre ich doch dort mal entlang geradelt!? Jedenfalls biege ich dort ab, denn die grobe Richtung passt ja gut. Ich passiere den Sportplatz und empfinde alles als neu. Entweder gab es die Straße damals nicht oder ich habe sie einfach nicht befahren. Am Helikopterlandeplatz komme ich wieder auf die mir bekannte Strecke zurück. An der Kirche lege ich einen Stopp ein und hole die Kamera aus dem Rucksack. Danni trabt mit einem asiatisch belegten Ochsenkarren vorbei. „Everything okay, my friend?“. Meine Antwort „this is one of the best days in my whole life, and it´s not even lunch-time!” animiert ihn zu einem breiten Lächeln. “That sounds very good!”. Ich radle weiter, bestaune mal wieder die urige Tankstelle, biege dann rechts ab und sehe, dass dort auf der Ecke im Schatten noch immer die gleichen “zwielichtigen Gestalten” sitzen wie vor über vier Jahren. Der eine hatte mir mehrfach den Schwarztausch angeboten. Womit er sich wohl heutzutage die Zeit vertreibt? Nach dem Frischmachen und Ausruhen in der Unterkunft dann wieder zurück zur Grand Anse, denn ich habe ja einen Kliententermin… *hüstel* Um kurz vor 13 Uhr bin ich dort und wundere mich über die mindestens 30 Fahrräder, die überall abgestellt stehen. Einige scheinen aber zur Petite Anse oder Anse Cocos gewandert zu sein, denn am Strand sehe ich „nur“ etwa 20 Personen.
Ich werde direkt von Linda und Karsten begrüßt. Die beiden hatten mich offenbar auf meiner Rückfahrt erkannt und mir noch hinter gerufen, aber ich habe aufgrund des Fahrtwindes nichts gehört.

Kurzer Szenenwechsel: Während ich diese Worte schreibe, geht gerade der erste Regenguss hernieder. Nur fürs Logbuch: Ich bin am Freitag gegen Mittag auf den Seychellen angekommen, jetzt ist es Montag, Ortszeit 13:11. kein Tropfen in der Zwischenzeit, zumindest nicht auf La Digue.

Und weiter geht´s: Da Karsten die pflegeleichteste Frisur der Welt trägt und sich die Kopfhaut schon ansehnlich verbrannt hat, beschließen wir, uns ins Restaurant zu setzen und dort vom kreolischen Buffet zu naschen. Eine Anmerkung für alle, die noch nie auf La Digue waren: „Restaurant“ klingt vielleicht etwas förmlich; in Wahrheit ist es die urigste Strandbar, die ich kenne. Sandboden, urige Holztische, eine sehr übersichtliche Bar – und ein sehr leckeres kreolisches Buffet, mittlerweile offenbar jeden Tag. Es kostet zwar 20 Euro, ist aber auch wirklich gut. Linda und ich essen und genießen, Karsten schlägt regelmäßig den Weg zur Toilette ein, denn sein Magen-Darm-Trakt hat andere Vorstellungen von Urlaub als sein Herrchen… Ihr versteht schon… Wir unterhalten uns, lernen uns kennen und ich merke bereits nach den ersten Sätzen: Das passt! Nett und unkompliziert, genau meine Wellenlänge. Nach dem Essen machen sich die beiden wieder auf den Weg zu ihrer Unterkunft (La Digue Island Lodge), ich lege erneut LSF 50 nach und lasse mich wieder vom Indischen Ozean durch die Grand Anse dirigieren. Irgendwann packt es mich dann und ich breche auf zum Nachbarstrand Petite Anse. Zehn Personen in vier Gruppen sind dort – was für die Länge des Strandes durchaus zu verkraften ist, aber doch die größte Personenansammlung ist, die ich dort bisher gesehen habe. Ich mache ein paar Fotos, merke dann aber, wie mir die intensive Sonne im wahrsten Sinne des Wortes den Pelz verbrennt. Ich trete den Rückzug an, radle zurück zur Unterkunft und führe ein wenig Reisetagebuch, denn Sonne hatte ich für heute genug. Zum Sonnenuntergang traue ich mich wieder nach draußen, mache ein paar Fotos und sehe den Einheimischen beim „Klönschnacken“ oder beim süßen Nichtstun zu. Hier ist die Welt so, wie sie sein soll! Zumindest aus Touristensicht. Ich fotografiere einige Kinder, die abwechselnd mit Anlauf ins Wasser springen und dabei einen Riesenspaß haben. Hier ist die Welt für Kinder echt noch in Ordnung; ich wüsste nicht, wo ein Kind besser aufwachsen könnte als hier, ohne sofort der Konsumwelt zu erliegen.

Zum Abendessen gibt es wieder verschiedene Köstlichkeiten aus dem Meer sowie dem Hühner- und Schweinestall. Reis und Salat dürfen nicht fehlen. Man kommt auch sofort mit der netten Gastgeberfamilie ins Gespräch, alle sind sehr hilfsbereit und nett. Das Familiennotebook darf ich selbstredend nutzen, um meine Mails abzurufen und Euch mit aktuellen Reiseeindrücken zu versorgen. Derzeit werden meine T-Shirts und Hemden gewaschen und gebügelt, und Babi beantwortet mir jede meiner Fragen sehr detailliert. So weiß ich nun beispielsweise, dass die erwähnte große Baustelle im Norden zum „Domain de L´Orangerie“ gehört. 40 Wohneinheiten (!!!!!) entstehen dort. Für das wohl nördlichste der Chalets wurde soeben die Bodenplatte betoniert. Keine 20 Meter sind es von dieser Bodenplatte bis zum Friedhof! Oder sind es gar nur zehn Meter? Zumindest sieht es grauenhaft aus. Die Unterkünfte werden zwar sicher sehr stilvoll, das kann man bereits jetzt erahnen, aber die Insel sackt mal wieder fünf Zentimeter tiefer ins Meer, wenn die so weiter betonieren… Mittlerweile weiß ich auch, warum der Zaun auf dem Weg zur Grand Anse gebaut und weshalb die Zufahrt unten verlegt wurde. Beginnen wir mit dem Zaun: Vor etwa drei Jahren stieg ein kräftig gebauter deutscher Tourist nah am Straßenrand von seinem Rad, verlor das Gleichgewicht, stürzte und schlug einige Meter unter Straßenniveau mit dem Kopf auf einen Felsen. Diesen Sturz hat er nicht überlebt. Kurze Zeit später wurde der Zaun montiert und soll solche Unglücke zukünftig verhindern. So, und warum wurde die Zufahrt unten verlegt? Ihr wollt das nicht wirklich hören: zwischen der alten und der neuen Zufahrt verläuft eine Grundstücksgrenze. Der Teil mit der Lagune KÖNNTE durchaus in nicht allzu ferner Zukunft an einen Investor verkauft werden, der dort „etwas Luxuriöses“ bauen möchte. Wenn ich richtig verstanden habe, dann hapert es nur noch an der Baugenehmigung. Und das wäre für meinen Geschmack DER Seychellen-Super-GAU: Eine Unterkunft an der Grand Anse. Hoffen wir nur, dass keine Genehmigung erteilt wird. Und bitte: Es handelt sich um PLÄNE. Mehr ist es derzeit noch nicht. Aber ich gehe auch ohne diese Nachricht davon aus, dass die Grand Anse in zehn Jahren nicht mehr unterkunftsfrei ist. Geld regiert nun mal die Welt. Ich habe ja auch schon angedroht, dass ich mir den Pointe Belize kaufe, wenn ich endlich Milliardär bin. Ich muss ja nur 100 Brautpaare finden, die mir für die Hochzeitsfotos je zehn Millionen Euro überweisen, und patsch! – schon bin ich Milliardär! ))

Beim Abendessen erfahre ich, dass am Abend (es ist Samstag) beim „Tarosa“ am Hafen ein Konzert stattfindet. Ein Sänger von Mahé, der auf den Seychellen sehr bekannt sein soll, gibt sich die Ehre und präsentiert eine Mischung aus Reggae und Hip Hop. Beginn ist aber erst um 23 Uhr, und da liege ich wahrscheinlich schon in den tiefsten Träumen. Wahrscheinlich. Heute ist das aber nicht so, hellwach liege ich im Bett und höre, wie die Musik vom nahe gelegenen Hafen immer lauter wird. Kurz vor Mitternacht siegt dann die Neugier und ich ziehe mit meinem lichtstärksten Objektiv und dem Stativ los. Und staune, wie sehr sich besonders die jungen Damen rausgeputzt haben: Knallrote Kleider mit einem gülden glitzernden Gürtel sind nur eine von vielen Kombinationen, die ich sehe. In allen Ecken sitzen heranwachsende Diguoise, manche mit Rum und Zigarette, andere ganz brav mit einer Cola. Die meisten stehen vorm Zaun des Tarosa, da man Eintritt bezahlen muss, um auf das Gelände zu kommen. Ich sehe den Musiker daher ebenfalls nicht, höre aber schnell, dass das nicht so wirklich meine Musik ist. Ohne ein Foto gemacht zu haben, laufe ich die paar Meter zurück zur Unterkunft und schlafe ziemlich zügig ein.

Nach dem Frühstück sitze ich um etwa 8 Uhr auf dem Fahrrad und fahre durch das fast menschenleere La Passe. Am Sonntag lassen es offenbar fast alle ruhiger angehen. Es gäbe so viel zu entdecken, aber mich zieht es wieder zur Grand Anse, denn das Klettern und Baden empfand ich als so herrlich, dass ich heute wieder hin muss. Als Erster bin ich im Meer, lasse den Blick in alle Richtungen schweifen und stelle auch heute wieder fest, dass das hier „meine Stelle“ ist. Danach geht es wieder in die Felsen, ab bis ganz nach oben. Ein älteres Touristenpaar entdeckt mich vom Strand aus und schaut mich ungläubig an. Was macht der denn da oben? Ich mache in der Zwischenzeit ein paar Fotos, unter anderem auch mit dem Fisheye. Ist schon witzig das Ding, aber man sollte es damit auch nicht überstrapazieren. Dann steige ich wieder hinab und suche „neue Wege“: Irgendwie muss man doch vielleicht auch auf den Felsen bis an die Spitze kommen, also dorthin, wo der Pointe Belize ins Meer übergeht? Ich beginne damit, mir einen möglichen Weg zu suchen. Auch hier sind feste Turnschuhe wieder unausweichlich. Ich kraxel herum, aber nicht, ohne mir vorher jeden Schritt zu überlegen. Ist das problemlos machbar? Komme ich hier auch später wieder zurück? Schließlich habe ich einen Fotorucksack auf dem Buckel, der das Klettern nicht unbedingt einfacher macht. Immer, wenn es ein paar Stufen nach unten geht, schaue ich auf mein Handy. Als der Empfang dann schließlich einmal kurz abreißt, drehe ich um. Ich will ja wenigstens wen anrufen können, falls ich mal nicht mehr weiter weiß. Die Hälfte der Strecke habe ich aber bereits geschafft, und der Blick auf die Bucht von dort ist wunderschön!

Mittags esse ich wieder für 20 Euro das halbe Buffet leer. Lecker!!! Anschließend etwas im Schatten entspannen, ab ins Meer, von der Sonne trocknen lassen und gegen 14 Uhr zurück. Die Sonne macht mich fertig! In der Unterkunft schreibe ich weiter Tagebuch, bis ich vertraute Stimmen höre: Linda und Karsten kommen mich besuchen! Ich zeige den beiden mein Zimmer und beide sind schwer angetan, wie gemütlich es bei Babi ist! Linda meint, dass die La Digue Island Lodge nicht besser wäre. Wir unterhalten uns ein wenig mit Babi über dies und das. Dann radeln die beiden weiter, sie wollen sich den Norden ein wenig ansehen. Ich fahre mit, denn weiter als bis zum Friedhof war ich in diesem Jahr auch noch nicht. Wir fahren bis zu diesem Wahnsinnsbaum auf der rechten Seite. Dort werden erst mal ein paar Erinnerungsfotos geschossen. Die beiden fotografieren auch mich mit meiner Kamera. Dann geht es weiter bis zur Anse Patates, dort steige ich ab, um Fotos zu machen. Die beiden radeln weiter, um die Ostseite zu erkunden. Ich habe nach zehn Minuten schon alles im Kasten, das Licht ist nicht mehr so prickelnd, also will ich den Rückweg antreten. Da kommen die beiden auch schon wieder zurück, die Strände sind dort ja nicht so spektakulär. Wir fahren zurück, trennen uns kurz vorm Hafen und verabreden uns für den nächsten Morgen zum Fotoshooting bei Sonnenaufgang an der Grand Anse (siehe http://www.hochzeit-seychellen.de). Babi organisiert uns ein Taxi, welches uns um 04:45 (!) abholt und zur Grand Anse bringt. Kaum ist das Taxi verschwunden, bemerken wir den spektakulären Sternenhimmel. Wow!!! Stockdunkel ist es nicht, bald ist Vollmond, und das sorgt schon für eine gewisse Grundhelligkeit. Ich setze mein Baseballcap mit der Stirnlampe auf und mache mich mit Fotoausrüstung und Stativ bewaffnet vorsichtig auf zu „meinem Felsen“. Von dort oben den Sonnenaufgang zu fotografieren, gehört seit November 2004 zu meinen „Must-Do´s“! Und heute ist es so weit, ich traue mich erstmals vor Sonnenaufgang nach oben. Funktioniert auch ganz gut, denn ich kenne ja nun den Weg und habe die Lampe auf dem Kappenschirm. Es ist noch ziemlich dunkel, als ich um etwa 05:10 oben ankomme. Genau in meinem „Schussfeld“ ankert ein Boot, an dessen Mastspitze eine Lampe leuchtet. Fotografisch alles andere als optimal. Hinzu kommt noch, dass ich die Sonne wohl kaum aus dem Meer steigen sehen werde, denn am Horizont hängen dichte Wolken. Langsam wird es heller, einige ausgewachsene Flughunde fliegen in teils weniger als drei Metern Entfernung an mir vorbei. Genial!! Langsam verfärbt sich der Himmel ein wenig, aber das erhoffte Farbenspektakel bleibt aus. Ich mache dennoch einige Aufnahmen mit Verschlusszeiten zwischen 15 und 30 Sekunden. Als es langsam hell genug wird, um ohne Stativ zu fotografieren, steige ich wieder hinab zu den beiden, denn jetzt geht es los mit Teil 1 unserer Hochzeitsfotosession: Verliebte Spaßbilder am Strand. Das Licht ist nicht optimal, aber ich mache das Beste daraus und bin mit den Resultaten zufrieden – auch wenn meine 1er EOS einen guten Schluck Indik abbekommt, aber das soll sie ja angeblich bestens verpacken. Mit meiner 5D wäre jetzt wohl erst mal Schluss gewesen, aber die 1er rülpst nicht mal. Wir probieren diverse Dinge aus (Bilder folgen im April), irgendwann packe ich die Kamera weg und springe selbst ins Meer. Wenn Sabrina jetzt noch hier wäre, dann wäre alles PERFEKT! So ist es nur „oberhammergenial“…

Um 8:30 holt uns das Taxi wieder ab. Babi schickt mich erst mal unter die Außendusche, da ich aussehe wie eine Mischung aus Sandhaufen und Schlammpfütze. Fotografieren erfordert nun mal vollen Körpereinsatz, das muss man sich auch schon mal in voller Montur in den Sand werfen oder vor einer brechenden Welle flüchten! Danach dann endlich Frühstück, die Klamotten entsanden und zwei Stunden Schlaf nachholen.

So, jetzt bin ich endlich „up to date“ mit meinem Tagebuch und hänge nicht mehr hinterher. Der Regen hat mittlerweile auch aufgehört und die Sonne scheint wieder. Ich stelle dies nun online, packe dann den Fotorucksack erneut, denn ab etwa 17 Uhr machen wir unser Sonnenuntergangs-Shooting an der Source d´Argent, auf welches ich mich schon sehr freue! Und heute Abend werden wir uns diverse Seybrew und Whisky in die Figur schütten! Schatz, es wäre soooooo schön, wenn Du dabei sein könntest!!!

Prost und bis bald!!

Teil 3:
Da isser wieder!

Das Sonnenuntergangs-Shooting an der Source d´Argent fiel am Montag leider aus, da der Himmel nicht mehr aufriss und auch noch den einen oder anderen Schauer parat hielt. Stattdessen ging ich mit Linda und Karsten zur Union Estate. Niemand saß am Eingang, um Eintritt zu kassieren – was vermutlich am schlechten Wetter lag. Ich zeigte den beiden das Schildkrötengehege am Giant Union Rock, anschließend liefen wir zum „Bacardi-Strand“. Dieser war aufgrund des Regens menschenleer. Während die beiden Berliner darauf warteten, dass die Riesenkrabbe, die soeben in ihrem Loch verschwunden war, wieder rauskommt, kletterte ich ein wenig auf den Felsen herum. Da sich der nächste Regen ankündigte, radelten wir zurück Richtung Beachbungalow der La Digue Island Lodge, in dem die beiden fast Verheirateten wohnen. Etwa eine Minute vor der Ankunft öffnet der Himmel alle Schleusen. Auf der Veranda mit Meerblick können wir zusehen, wie Praslin nach und nach hinter der mächtigen Regenwand verschwindet. 30 Minuten vorm Abendessen schwinge ich mich dann trotz leichten Regens aufs Rad und starte zur Unterkunft. Ein paar Sekunden später zieht Petrus nochmals alle Register und haut so richtig einen raus. Am Gregoire´s Supermarkt halte ich schon wieder an, denn ich brauche noch Trinkwasser. Leider wollen die mich dort so aber nicht hinein lassen, da aus meinen Klamotten gefühlte 250 Milliliter Wasser pro Sekunde tropfen. Also wieder ab aufs Rad. Durch strömenden Regen radele ich nach Hause und fühle mich dabei pudelwohl. Unter sämtlichen Vordächern quetschen sich Einheimische und Touristen dicht an dicht, während ich als einziger Verkehrsteilnehmer breit grinsend über die überflutete Straße bummle. Nach zehn Minuten gemütlicher Regenfahrt komme ich bei Babi an und entkleide mich auf meiner überdachten Terrasse. Kurz Abduschen, etwas Trockenes anziehen und schon steht das Abendessen auf dem Tisch. Neben den „Standards“ (grüner Salat, Jobfish Creole, Reis, Chicken Curry) gibt es heute auch äußerst schmackhafte Pasta: Nudeln mit Thunfisch und Tomatensoße, und das Ganze dann noch mit ein wenig geriebenem Käse überbacken. Leckaaa!!!

Anschließend dann ab zur La Digue Island Lodge, denn die beiden Berliner warten schon auf mich. Ich nehme die im Duty Free auf Mahé erworbene Literflasche Jim Beam mit (bin bekennender Colapanscher!), und Karsten hat noch eine Flasche Glenmorangie (46%) „für gut und ohne Cola“ zu bieten. Es ist ein gemütlicher Abend mit interessanten Gesprächen, der um Mitternacht endet. Man will es ja nicht übertreiben, denn am Dienstag stehen zwei interessante Kletterpartien an!

Dienstag, 10. März 2009: um 8 Uhr geht der Wecker. Der Blick nach draußen ist fotografisch alles andere als wertvoll (hohe, geschlossene Wolkendecke), aber zumindest sieht es nicht nach Regen aus. Nach dem Frühstück die noch immer klitschnassen – und dadurch enorm übel riechenden – Turnschuhe anziehen und ab aufs Rad. Am Hafen kommt mir eine frisch eingetroffene Horde Italiener entgegen. Es sind viele. Sehr viele! Aber dazu später mehr. Mein erstes Ziel ist der Gregoire´s Supermarkt, denn dort treffe ich mich um 10 Uhr mit Linda, Karsten und Rondy, dem sehr netten einheimischen Guide, der unter anderem auch Touristen zur Anse Marron führt. Begleitet wird Rondy von Bullet und Kenya. Wer das ist? Na, zwei seiner vier Hunde – ein Retrieverrüde und eine Mischlingshündin, die definitiv einen Boxer in ihrem Stammbaum vorzuweisen hat. Zu sechst radeln wir zur Grand Anse – wobei genau genommen natürlich nur vier von uns tatsächlich RADELN, denn die anderen beiden rennen auf je vier Pfoten nebenher und gehorchen ihrem Herrchen aufs Wort. Wir parken die Räder an der Grand Anse und nehmen direkt Kurs auf „meine Stelle“, denn ich hatte Rondy am Tag zuvor gefragt, ob es möglich sei, die Felsen des Pointe Belize bis an deren östliche Spitze zu begehen, also dorthin zu kraxeln, wo diese Felszunge ins Meer endet. Rondy klettert alleine vor, um den Weg zu erkunden; wir restlichen fünf warten am Strand. Nach wenigen Minuten kommt er zurück und gibt grünes Licht. Und schon setzt sich die Kraxelkarawane in Bewegung, während die beiden Hunde brav am Strand unter einem Schatten spendenden Felsen auf uns warten. Rondy läuft wie immer barfuß, wir drei Touris tragen Turnschuhe. Ein Stück geht es zunächst durchs Wasser, und anschließend erweisen sich die Schuhe als äußerst gefährlich: Karsten rutscht auf einem ebenfalls feuchten Felsen aus und kann sich noch so eben halten. Ein gebrochener Arm käme am Tag vor der Hochzeit nicht wirklich gut… Barfuß geht es dann für alle weiter. Nach einigen Minuten sind wir dann am Ziel unserer Reise angekommen – nicht, ohne vorher einige bedenklich tiefe Spalten überstiegen und enge „Felstunnel“ durchkrabbelt zu haben. Von dort hinten hat man einen tollen Blick sowohl auf die Grand als auch Petite Anse. Ich schieße ein paar „Erinnerungsschnappschüsse“, denn mehr ist bei den Lichtbedingungen heute nicht drin. Das Wasser ist erstaunlich ruhig um diese Jahreszeit, es kraulen tatsächlich Touristen vorbei, die offenbar von der Grand Anse zur Petite Anse schwimmen. Nach ein paar Minuten geht es zurück. Nur nicht die Schuhe vergessen, die auf einem der Felsen auf ihre Eigentümer warten. Zurück am Strand, ist die Freude über Herrchens Rückkehr erst mal groß. Rondy setzt sich zu den Vierbeinern in den Schatten; wir drei hüpfen erst mal ins Wasser. Linda und Karsten bleiben an der Grand Anse, aber Rondy und ich haben noch „große Pläne“: Barfuß (Rondy) bzw. auf Socken (fotomann.de) von der Petite Anse zur Anse Cocos, aber nicht über den altbekannten Dschungelpfad, sondern unmittelbar an der Küste entlang über die Felsen! Dort, wo die Felsen beginnen, gibt Rondy seinen Hunden ein Kommando. Sofort suchen sich die beiden einen Schattenplatz, denn sie wissen offenbar, dass Herrchen jetzt erst mal weg ist und sie nicht mitlaufen können. Und schon beginnt sie, die zweite Kraxeltour des Tages. Diese ist noch um einiges anstrengender als die erste. Rondy hüpft teils über die Felsen wie eine Gazelle, ich watschele bedächtig hinterher. Irgendwann ist er plötzlich verschwunden. Ich sehe mich um – wo ist er hin? Plötzlich höre ich direkt unter mir: „Ya man, here man“, wobei das „man“ selbstredend nicht englisch, sondern Raggamuffinstylacool wie das deutsche Wort „Mann“ ausgesprochen wird. Also ab geht´s nach unten, Kraxel Deluxe, ab durch einen Spalt, durch den mein Adonisleib so eben passt, und weiter über die unzähligen Felsen in allen Größenordnungen. Kurz vor der Anse Cocos hängen meine Zehen übrigens mittlerweile durch große Löcher vorne aus den Socken heraus. „There it is – Coco Beach!“. Stimmt, Rondy hat Recht, wir sind da. Ich nehme an, dass sich wohl bisher nur sehr wenige Touristen der Anse Cocos aus dieser Richtung genähert haben. Gefestigt wird meine Annahme, als Rondy mir sagt, dass er diesen Weg soeben auch zum ersten Mal gegangen ist…

Nach einem erfrischenden Bad am südlichsten Zipfel der Anse Cocos (von den beiden schräg stehenden „Zwillingspalmen“ steht übrigens leider nur noch eine, und von dieser hängen braune, verwelkte Blätter nach unten) geht es über den Dschungelpfad zurück Richtung Petite Anse. Aber Stopp, da hatte ich doch im Forum etwas gelesen von einer gerodeten Fläche für eine Baumaßnahme. Also frage ich Rondy. „Ya man! Right there, I can show you, man!“. Und da ist sie, die gerodete Stelle. Hätte er sie mir nicht gezeigt, so wäre sie mir nicht aufgefallen. Eine Zerstörung der Natur hat meines Erachtens nicht stattgefunden, ich sehe noch nicht mal einen gekappten Palmenstumpf, nur die Wiese sieht ein wenig „gemäht“ aus – auf einer Fläche von vielleicht 20 x 20 Metern. Ein reicher Inder wollte dort laut Rondys Wissen bauen, aber die Regierung hat den Bau gestoppt. Rondy ist sich auch recht sicher, dass sich die Regierung bewusst ist, dass die meisten Touristen nach La Digue kommen, weil sie die Insel und speziell die drei Strände im Südosten so mögen, wie sie jetzt sind, und eine Bebauung die Besucherzahlen drastisch reduzieren würde. Hoffentlich hat er Recht und die Regierung sieht das tatsächlich so. Let´s all pray for that…

Auf dem Rückweg über den Dschungelpfad – den ich doch tatsächlich barfuß ohne Murren und Knurren meistere – treffen wir zwei Deutsche, die den Weg zur Anse Cocos suchen. Da ich auch an diesem Tag – wie an bisher jedem Tag auf La Digue – eines meiner sechs Shirts mit unübersehbarem FOTOMANN.DE-Schriftzug trage, kommen wir ins Gespräch und beide schwärmen mir massiv von Sansibar vor. Klingt verlockend, war da schon wer von Euch? Jedenfalls findet Rondy in den beiden seine nächsten Südumrundungskunden, am Mittwoch geht es schon los. Zurück an der Petite Anse reicht ein Pfiff, und wenige Sekunden später kommen zwei schwer erfreute Hunde auf uns zugerast. Ich nehme ein Bad in der Mitte der Petite Anse – herrlich! Nur an beiden Enden der Bucht liegt je ein Touristenpaar, ansonsten ist der Strand menschenleer. Dies soll sich aber an der Grand Anse schlagartig ändern… *trommelwirbel*

Unsere Fahrräder warten an der Strandbar auf uns. Oben am Baum auf der Düne stehen etwa zehn Touristen auf einem Fleck. Was ist denn da los? Ich laufe ein paar Meter weiter hoch und mich trifft der Schlag: Die Bucht ist „voll“! Die Horde Italiener, die ich bereits morgens am Hafen erblickte, bevölkert „meinen“ Strand. Ich ziehe mein bis dato unbenutztes Reisemegaphon aus der Tasche, bahne mir einen Weg durch die Meute, stelle mich genau in die Mitte der Bucht, den Rücken zum Ozean, und brülle: „Dear people from Italy: Listen. Listen carefully, because I´m not going to repeat this. The message is: Go home now! Leave this island! Don´t ever come back here! See those two dogs there? They are very well trained killing-machines. Go back to Rome or Venice or Milano or wherever – but go RIGHT NOW! Do not leave any rubbish. Thank you – and up never-again-see!!“. Natürlich ist der letzte Abschnitt ab dem Ziehen des Megaphons frei erfunden, aber gezählt habe ich die Touristen trotzdem: Knapp über 60!! Zum ersten Mal habe ich an diesem Tag die Grand Anse gerne verlassen. Morgen früh bin ich wieder um 5:30 Ortszeit dort und werde ALLEINE am Strand auf den Sonnenaufgang warten. Danach schnell zurück zur Unterkunft, Duschen, Fototasche neu packen und ab zur Hochzeit der beiden Berliner! Rondy wird übrigens Trauzeuge!!

Bis demnächst,
Torsten

Teil 4:
Hallo zusammen,

hier kommt nun der nächste Teil:

Es ist Mittwoch, der 11.03.2009 – Hochzeitstag! Um 9:30 findet die Trauung statt. Das Brautpaar hat mich zum Frühstück in die La Digue Island Lodge eingeladen, und dieses Frühstücksbuffet kann sich wirklich sehen lassen! Mein „Ei-Entzug“ findet ein jähes Ende, nachdem ich mir vier Spiegeleier einverleibt habe. Nach dem Frühstück dann ab in den Beachfront Bungalow. Die beiden werfen sich in die Klamotten, ich bin dabei und halte die Vorbereitungen fotografisch fest. Dann ab zur Rezeption, denn dort warten das Taxi und ein einheimischer Fotograf – der gehört bei jeder Hochzeit zum Gesamtpaket dazu. An der Rezeption dann eine große Überraschung für mich, denn dort steht doch plötzlich eines der Idole meiner frühen Fotojahre: Paul Turcotte! Falls Euch der Name nichts sagt, so wird Euch Google helfen. Nur so viel: Paul ist sicher der bekannteste Fotograf der Seychellen (wohnt zwar dort, ist aber soweit ich weiß gebürtiger Kanadier) und hat viele der Postkarten fotografiert, die man in den Läden kaufen kann bzw. vor einigen Jahren zumindest noch kaufen konnte. Er ist hauptverantwortlich dafür, dass beispielsweise der altbekannte Bacardi-Werbespot oder auch die Raffaello-Werbung an der Source d´ Argent gedreht wurden. Wie ich im Gespräch mit ihm erfahre, ist er nun seit Jahren bereits hauptsächlich im Filmbusiness aktiv (seine Homepage:http://www.seychelles.pro) und fotografiert nur noch selten. Außer heute, denn wie er mir erzählt, fotografiert er ja gleich die Hochzeit von zwei Deutschen an der Source d´ Argent. Ääähh – wie bitte?? Hätte mir vor fünf Jahren jemand gesagt, dass ich in nicht allzu ferner Zukunft einen gemeinsamen Fotojob mit Paul Turcotte haben werde, so hätte ich denjenigen sicher belächelt. Seit gestern kenne ich seine Bildresultate und weiß, dass ich ihm in der Hochzeitsfotografie um Längen voraus bin. Sorry, aber so unbescheiden musste ich nun mal kurz sein. So, jetzt wird aber gleich geheiratet! Mit dem Minibus geht es zum Strand, und dort haben die „Architekten“ wirklich ganze Arbeit geleistet: Ein wunderschönes „Hochzeitsfleckchen“ haben sie gebaut (Bilder folgen demnächst). Eine schönere Kulisse als die Anse Source d´ Argent kann man sich wirklich nicht wünschen. Die Zeremonie ist sehr schön, aber enorm kurz. Nach etwa sieben oder acht Minuten ist alles vorbei, und die beiden Berliner schweben im siebten Ehehimmel. Nach einer kurzen, aber sehr ausgelassenen Fotosession geht es mit dem wunderschön geschmückten Ochsenkarren zurück zur Lodge. Die beiden gehen Tauchen, ich mache mich mit Rondy und Elke und Thomas – den beiden „Sansibar“-Deutschen, die ich am Tag zuvor mit Rondy im Busch kennen gelernt hatte – von der Source d´ Argent auf den Weg zur Anse Marron. Der Weg, den Rondy kennt, ist wirklich völlig „unspannend“, keine Gefahrenstellen, „easy going“ im wahrsten Sinne des Wortes. Kurz vor dem Ziel kommt uns ein weiterer einheimischer Führer mit fünf Italienern im Schlepptau entgegen. Naja gut, die sind dann gleich schon mal nicht mehr an der Marron. Und wir sind zum Glück dann doch die Einzigen am Zielort, keine weiteren Touristen. Ich fotografiere und plantsche ein wenig im „Marronpool“ herum, während Rondy den Fisch grillt und Elke und Thomas in der Bucht nebenan Schnorcheln. Später leiht mir Thomas seine Maske und ich bin erstaunt, was man doch sogar im Marronpool alles zu sehen bekommt. Sogar eine große Muräne lässt sich blicken. Nach knapp zwei Stunden Aufenthalt geht es dann über den gleichen Weg zurück. Ich staune immer wieder, wie gut „Bullet“, der Retrieverrüde, trotz unübersehbarer HD-Probleme über die unebene Felslandschaft läuft. Zurück in der Unterkunft flott Duschen und Umziehen, denn um 17 Uhr treffe ich mich schon mit dem Brautpaar an der Source d´ Argent, um das Sonnenuntergangsshooting nachzuholen. Heute spielt das Wetter mit, und so entstehen zwischen 17:30 und 18:45 Uhr die besten Paarfotos, die ich bisher geschossen habe. Alles stimmt, Location, Wetter, Licht, Equipment, Linda und Karsten sind beide sehr gut gebaut und fotogen, kurzum: ein geniales Shooting!

Abends wohne ich den beiden dann auf ausdrücklichen Wunsch beim Candlelight-Dinner bei, mache ein paar Fotos und habe tierisch viel Spaß mit den beiden. Eine zweite Flasche Champagner wird bestellt, wenige Meter entfernt bewegen sich einheimische Tänzerinnen zur Musik der Liveband, der Vollmond lacht dazu – Inselidylle pur. Da die beiden leider keine Fotos von der Hochzeitsnacht wünschen, verabschiede ich mich um 23 Uhr, denn beim passionierten Reisefotografen Torsten D. wird der Wecker um 4 Uhr klingeln. Und das ist auch gut so, denn wenige Stunden später entstehen meine bisher vielleicht besten Strandaufnahmen, von denen sicher die eine oder andere den Weg auf meine Homepage finden dürfte. Nach einer intensiven Fotosession – bei der ich mich übrigens fühle wie im siebten Himmel, nach jedem Schritt oder jeder leichten Drehung entdecke ich neue Motive – wandere ich noch fleißig durch die Gegend und sitze bereits um 8 Uhr auf „meinem Felsen“. Erst zwei weitere Touristen sind an der Grand Anse. Das am Strand schlafende Paar, über das ich morgens um kurz vor fünf fast gestolpert bin, ist mittlerweile verschwunden – genau so wie das große Touristenboot, welches noch um fünf in der Grand Anse ankerte. Die beiden Boote in der Petite Anse liegen aber noch dort. Die Insel wird unbestreitbar immer voller und immer mehr Leute kommen mit kleinen und großen Booten und ankern vor den Traumstränden. Von daher gibt es auch keine Garantie mehr, dass man morgens um 7 alleine an der Grand Anse bzw. Petite Anse oder Anse Cocos steht.

Ich bade noch ein wenig an der Grand Anse, schwinge mich dann wieder aufs Rad und radle zurück Richtung La Passe. Beim ersten Obstverkäufer („Simon´s Fruit Shop“) halte ich an und genehmige mir einen gemischten Fruchtsaft, der direkt vor meinen Augen zubereitet wird. Lecker!! Ich kaufe noch drei Passionsfrüchte (alles zusammen 50 Rupien, zum Handeln habe ich heute keine Lust) und halte dann 50 Meter weiter am zweiten Obststand an, um mir dort noch ein Stück Mango und 5 Minibananen zu kaufen (10 Rupien). Noch vor Ort wird gefrühstückt und ich staune, wie gut das Geschäft läuft! Es ist zehn Uhr vormittags, Hauptanreisezeit zur Grand Anse, und nahezu jeder Tourist – und das sind auch an diesem Tag mal wieder einige! – hält an und kauft dort ein. Die meisten entscheiden sich für den gemischten Obstsalat für 40 Rupien. Ich hingegen entscheide mich dafür, weiter zu fahren, denn ich muss dringend Schlaf nachholen. Satte drei Stunden liege ich im Tiefschlaf, übertrage anschließend die 16 Gigabyte Fotodateien aus den vergangenen 24 Stunden aufs Notebook und anschließend auf die externe Festplatte, denn ich brauche erneut Speicherplatz, da ich mich am Abend wieder mit den beiden frisch verheirateten Berlinern zum zweiten Abendshooting an der Source d´ Argent treffe. Auch dieses wird wieder ein voller Erfolg – auch wenn die Sonne heute Abend nicht so will, wie ich es gerne hätte. Am Abend sitzen wir wieder zu dritt vor dem Beachfront Bungalow der beiden und reden über „Gott und die Welt“. Ich düse um 23 Uhr zurück zur Unterkunft und die beiden beginnen zu Packen, denn für sie geht es am Freitag um 8 Uhr weiter nach Mahé. Um kurz vor 8 stehe ich dann morgens mit den beiden am Hafen. Wir wollen uns demnächst mal in Berlin treffen, Sabrina und ich wollen eh schön länger mal wieder in die Hauptstadt. Von daher ist es kein Abschied für immer.

So, und was mache ich heute an meinem letzten vollen Tag auf La Digue? Nach dem Frühstück ins Bett legen und endlich den mangelnden Schlaf der letzten Tage nachholen? Nöö, erst mal sitze ich etwa eine Stunde an diesem Tagebucheintrag, und damit bin ich um 10:30 fertig. Das ist jetzt, ich ziehe los und schreibe später weiter!

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7 Stunden später: Liebe Leute, das war heute DER perfekte Urlaubstag! An den werde ich mich noch lange erinnern! Aber der Reihe nach, ich war ja gegen 10:30 stehen geblieben. Ich packe also meinen Fotorucksack (nur das 16-35 II und das 70-200 IS 2.8, denn der Rücken macht mir seit ein paar Tagen zu schaffen), ab aufs Rad und los. Ich radel in den Norden und sehe die einsame Schildkröte, die unterhalb des L´Ocean auf ein paar Quadratmetern felsigen Untergrundes gehalten wird, um die vorbeifahrenden Touristen zu „ach wie toll!“-Kommentaren zu animieren. Bereits an meinem ersten Tag auf La Digue habe ich länger mit den beiden Kellnerinnen diskutiert, ob es nicht wenigstens möglich wäre, das einsame Tier zu den anderen Schildkröten in der Union Estate zu bringen. Die beiden sagten, dass die Schildkröte dort so einsam sehr glücklich sei, da sie ja schon seit Jahren alleine dort lebt und ja auch frisst und trinkt. Ich fragte die beiden, ob sie selbst glücklich wären, wenn sie jemand alleine in einen Raum sperrt, jahrelang dort halten und täglich was zu Essen und zu Trinken bringen würde. Die Blicke hättet Ihr sehen müssen. Da war dann erst mal Funkstille. Nach einer kurzen Pause sagt die eine, dass der Manager das so entschieden hätte, dass die Schildkröte dort lebt. Schließlich finden die meisten Touristen das ja toll, streicheln die Schildkröte und setzen sich auch gerne auf sie drauf (!!!) für „tolle“ Fotos. Ich frage nach dem Manager. Er ist angeblich nicht dort, aber man will mein Anliegen weiterleiten. Wie ich nun heute, sechs Tage später, sehe, hat sich bisher nichts getan. Unter einem Felsvorsprung sucht das Tier Abkühlung vor der nahenden Mittagshitze. Ich habe nichts zu verlieren, steige die Treppen zum Hotel empor und frage nach dem Manager. Kurze Zeit später erscheint eine Dame in etwa meinem Alter. Sie stellt sich mir als die Managerin vor, ist sehr höflich, fragt nach meinem Wohlbefinden und woher ich komme. Ich sage ihr, dass ich bereits zum vierten Mal auf den Seychellen bin und besonders die Insel La Digue sehr liebe. Sie strahlt übers ganze Gesicht. Dann spreche ich aber direkt weiter und erkläre ihr, dass es eine Sache gibt, die mich an La Digue stört. „Ach ja? Was ist es?“. „Es ist die Art, wie sie die Schildkröte dort halten. Denken Sie nicht, dass sie bei ihren Artgenossen am Giant Union Rock besser aufgehoben wäre?“. Es entsteht eine fast 20minütige Diskussion. Ich höre wieder, dass es der Schildkröte gut geht, dass sie glücklich ist und sich dort sehr wohl fühlt. Schließlich gibt es unter uns Menschen ja auch welche, die sich auf eine einsame Insel zurückziehen oder auf eigenen Wunsch fernab der Zivilisation in einer Höhle hausen. Mein Argument, dass sich diese Menschen das aber im Gegensatz zur Schildkröte selbst ausgesucht haben, scheint der Managerin irgendwie einzuleuchten. Ich mag es, wenn meine Diskussionspartner mir lange in die Augen schauen und nichts zu sagen wissen! Dann lege ich direkt nach: Wenn sie eines Tages wiedergeboren wird und als Fisch zur Welt kommt, ob sie dann gerne bis zu ihrem letzten Tag der einzige Fisch im kleinen Aquarium wäre. Ich merke, wie meine Argumente in ihrem Hirn einschlagen. Sie will sich angeblich darüber informieren, ob es möglich sei, die Schildkröte zu „verlegen“. Ich bedanke mich höflich für das Gespräch und sage, dass ich schon bald wieder hier wäre, um das zu kontrollieren. Dann stehe ich auf und hinterlasse eine nachdenkliche Managerin, die noch einige Zeit auf ihrem Stuhl sitzen bleibt.

Weiter geht es mit dem Rad die Ostküste entlang bis zum Ende der Straße. Ein Einheimischer hat mir den Weg zur Anse Cocos erklärt, und so wage ich mich alleine an die Nordostumrundung – von der Anse Caiman zur Anse Cocos. Es ist Punkt 12, ich setze mir den Rucksack auf und merke schnell, dass mein Rücken mir die etwa 6-7 Kilogramm (zwei Liter Trinkwasser sind auch mit an Bord) übel nimmt. Also wird ein Liter Wasser sofort getrunken und das schwere 70-200 im Busch gut versteckt. Mit drei Kilo weniger geht es nun los. Der erste Teil der Wegbeschreibung passt perfekt, allerdings finde ich den dort erwarteten Pfad nicht. Also entscheide ich, einfach an den Felsen entlang zu gehen, die die Küstenlinie säumen. So komme ich ja logischerweise irgendwann an der Anse Cocos aus. Das ist aber ein irrer Ritt bis dahin! Nach einer halben Stunde Felsengekraxel in der Mittagshitze wünsche ich mir, dass ich mich doch für den Mittagsschlaf entschieden hätte. Aber jetzt wieder umdrehen? Das ist erstens nicht mein Ding, Begonnenes abzubrechen, und zweitens kommt langsam die Flut und der Rückweg wäre nicht sicher. Also weiter, immer weiter über die Felsen. Ich bin heilfroh, dass ich meine Laufschuhe trage, denn mit offenen Schuhen wäre das hier nicht möglich. Immer heftiger knallt die Sonne, die Felsenlandschaft scheint unendlich. So in etwa müssen sich Verirrte fühlen, die in der Wüste nach einer Oase suchen. Noch eine Düne, und dann muss doch – ach nee, doch nicht. So geht es mir auch. Verdammt, ist das weit! Und heiß! Weiter weiter, da ist sie endlich, die Anse Cocos! Ach nee, doch nicht. Irgendwann entscheide ich, mir erst mal einen weiteren halben Liter Wasser einzuverleiben, wenn ich in fünf Minuten nicht am Ziel sein sollte. Aber da, nur noch um die Ecke, dann bin ich endlich – nee, sah wieder nur so aus. Also weiter, und endlich, nach über einer Stunde schattenfreier Felsenkletterei in der Mittagssonne, sehe ich ihn – den „Naturpool“ am nördlichen Ende der Anse Cocos. Menschenleer, niemand ist dort. Mit eiligen Schritten und letzter Energie haste ich hin, werfe meinen Fotorucksack ab, zieh mir die Mütze vom Kopf und platsche ins herrlich erfrischende Wasser. Ich kann mein Glück gar nicht fassen, tauche immer wieder mit dem Kopf unter Wasser und liege minutenlang einfach nur glücklich da. Dann suche ich mir im Wasser sitzend einen Schattenplatz und rufe zur Feier des Tages direkt aus dem „Pool“ zuerst Jensen, dann den „Gemüsehändler“ und letztendlich meine Mutter an. Erst jetzt wird mir bewusst, dass es Freitag der 13. ist. Nach weiteren zehn Minuten gehe ich aus dem Pool, um etwas zu Trinken. Ich sehe, dass etwa 50 Meter weiter Alex und Manja liegen, die ich einige Tage zuvor kennen gelernt habe. Die beiden schauen recht verdutzt nach dem Motto „hääh? Ich dachte, wir sind alleine hier!?“. Sie konnten ja auch nicht damit rechnen, dass jemand so bescheuert ist und sich aus dieser Richtung nähert… wir unterhalten uns, ich fotografierte die beiden, Alex fotografiert mich, das Wetter ist noch immer perfekt und ich verfalle mal wieder in diese totale „Foto-Ekstase“, in der ich mich mit besonderer Muße ans Werk mache. Dann leihe ich mir Alex’ ABC-Ausrüstung und schnorchle ein wenig in der Anse Cocos. Danach noch ein paar Fotos, dann Equipment einpacken und zusammen mit den beiden zurück Richtung Grand Anse. Aus Norden ziehen einige dicke Wolken auf. Ich muss an mein „buschgelagertes“ 70-200 denken, welches einen tropischen Regenguss sicher nicht so prickelnd fände. Zum Glück bleibt es aber trocken. Am vielleicht idyllischsten Ort von La Digue, dem „Hinterland“ der Petite Anse (dort, wo die beiden „Minibrücken“ sind) verabschiede ich mich von den beiden, denn ich will noch ein letztes Bad an der Petite Anse nehmen. Etwa 15 weitere Touristen sind dort. An der Anse Cocos waren es neben uns Dreien übrigens nur noch fünf weitere Touristen. Eine riesige Welle empfängt mich auf meinem Weg in den Ozean und spült mich fast wieder bis zu meinem deponierten Fotorucksack, der oben auf der Düne ruht, zurück. Beim zweiten Versuch komme ich dann gut ins Wasser und genieße, was ich sehe. Der nächste Tourist ist fast 100 Meter entfernt, mein Rucksack steht gut einsehbar auf der Düne, das Wetter ist noch immer perfekt und die paar Wolken sind abgezogen. Nach zehnminütigem Bad marschiere ich weiter Richtung Grand Anse. Natürlich muss ich wieder auf „meinen“ Felsen hochkraxeln, klaro! Der Hochzeitstag der beiden Berliner war übrigens der einzige Tag, an dem ich nicht dort oben war. Die Aussicht ist auch diesmal wieder phänomenal, auch wenn ich von dort schon sehe, dass die Grand Anse wieder recht voll ist (geschätzte 30 Personen). Ich steige nach ein paar Fotos hinab und bade ein paar Minuten. Alle drei Strände an einem Nachmittag „bebadet“, das ist echt zu geil um wahr zu sein! Völlig erschossen gönne ich mir in der Strandbar eine eiskalte Cola und bitte die Chefin, mir ein Taxi zu rufen. Denn nun noch über La Passe an die Anse Caiman zurück laufen? Neee komm, lass ma! Das wären ja locker nochmals vier Kilometer, dann das Rad abholen und von der Caiman bis zu Babi zurück auch nochmals wieder zwei Kilometer, und das bergauf und bergab und mit dem Fahrrad durch teils tiefen Sand – also besser das Taxi. Dieses kommt auch nach ein paar Minuten – ein weißer Pick-up. Der einheimische Beifahrer hält eine Flasche Seybrew in der Hand und man sieht ihm an, dass es nicht seine erste an diesem Tag ist. Der Fahrer macht einen zuverlässigen und nüchternen Eindruck, und überhaupt, was soll im Paradies schon passieren – und für den Notfall gibt es ja jetzt den grünen Maschendrahtzaun… Also hinten drauf Platz nehmen und die Fahrt genießen. Bei der ersten Gelegenheit wird erst mal gestoppt, beide steigen vorne aus. „You want a beer?“. „No, thank you!“. „Hey man, a cold beer?“. „Okay!“. Ich bewundere meine Willensstärke immer wieder… Mit drei Seybrew (wieso drei??) kommt der Beifahrer wieder aus dem Shop – eines ist für den Fahrer! Alle drei Flaschen werden geöffnet „here man – cheers!“, und weiter geht die Fahrt. Der Beifahrer hängt dabei halb aus dem Fenster und brüllt jeden Einheimischen an, der uns entgegen kommt. Die scheinen das schon gewohnt zu sein und lachen einfach nur. Irgendwann sind wir dann am Ziel, beide müssen dringend pinkeln und ich hole in der Zeit meinen versteckten Fotoschatz aus dem Dschungel. Dann das Fahrrad auf die Ladefläche des Pick-up und zurück zu Babi. Ab unter die Außendusche, dabei nochmals den gesamten Tag Revue passieren lassen und feststellen, dass es trotz des enorm anstrengenden Klettermarschs zur Anse Cocos der perfekte Tag war. Nach dem Abendessen früh ins Bett, denn um 5 Uhr werde ich schon wieder an der Grand Anse auf den Sonnenaufgang warten.

So, nun ist es Samstag, es gab fast drei Tage lang keine Internetverbindung auf La Digue. Danni kommt gleich mit dem Ochsenkarren, bringt mich zum Hafen und dann geht es rüber nach Praslin ins Lemuria Resort. Ich bin schon wirklich gespannt, was mich dort erwartet!

Viele Grüße

Torsten

Teil 5:
Nach dem Abschied von Rondy hüpfe ich auf die Fähre und denke über die vergangenen acht traumhaften Tage nach, als sich die Fähre langsam von La Digue entfernt. Ich komme wieder, das steht fest! Wahrscheinlich mit einem Brautpaar – oder auch zweien! – und definitiv mit Sabrina!

Im Hafen von Praslin wartet Judy bereits mit dem Taxi. Noch während der Fahrt mache ich für die Tage von Montag bis Donnerstag einen Mietwagen klar. Leider erfahre ich, dass es selbst auf Mahé keine Mini Mokes mehr gibt. Wir erreichen das Lemuria und ich bin erst mal baff. Golfplätze faszinieren mich ohnehin immer wieder aufs Neue, aber dieser ist wirklich besonders schön. Wie früher am (derzeit geschlossenen) Plantation Club auf Mahé, so steht auch hier auf der einzigen Zufahrtstraße ein Wachmann, der den Schlagbaum öffnet, nachdem man sein Anliegen erklärt hat. Nach kurzer Fahrt erreichen wir die „Lower Reception“. Vier enorm freundliche Leute wuseln um mich herum, begrüßen mich wie ein Staatsoberhaupt und kümmern sich sofort um mein Gepäck. Ich nehme im bereitstehenden Golfwagen Platz, und ab geht die Fahrt zur „Upper Reception“. Dort angekommen, nähern wir uns einer großen, doppelflügeligen Tür. Nein, um genau zu sein, einer riesigen, doppelflügeligen Tür. Der Fahrer des Golfwagens geht vor, öffnet die Tür, und im selben Moment öffnet sich der Blick in die Lobby. Wow!! Fünf (!!) junge, obernett lächelnde, hübsche Damen stehen Spalier, schütteln mir der Reihe nach die Hand, „welcome Mr. Dickmann!“ und stellen sich dabei namentlich vor. Bin ich im Himmel angekommen oder was? Die Hübscheste von allen heißt dann auch noch „Sweety“. Sie ist indischer Abstammung und führt mich ein wenig herum. Sie zeigt mir die Main Bar, den Poolbereich (*auch so einen haben will!!!*) und erkundigt sich dabei ständig nach meinem Wohlbefinden, und ob mir das denn wohl alles gefallen würde, was ich so sehe. Ja, tut es – und wie!!

Ich erfahre, dass mein Ansprechpartner Maxime, der mich eigentlich bezüglich der Hotelfotos instruieren sollte, auf einem Lehrgang auf Mauritius ist. Und jetzt? Man will ihn anrufen. So lange soll ich es mir in meinem Zimmer gemütlich machen oder in den Pool oder an den Strand gehen. Wie sich herausstellt, ist mein Zimmer aber noch nicht bezugsfertig. Darf so etwas bei 6 Sternen passieren? Mich stört es nicht sonderlich, aber ich bin sicher, dass manche Touristen das sicher anders sehen dürften. An der Bar werde ich dann erst mal mit Wasser und leckerem Eistee versorgt. Mich lachen teure Zigarren, edle Champagner und exklusive Single Malts an. Preise offenbar auf Anfrage. Nach zwanzig Minuten ist es dann so weit, mit einem Golfwagen bringt man mich zur Suite 52. Und die kann sich sehen lassen: Dunkle Holzmöbel mit cremefarbenen und roten Bezügen, ein riesiges Doppelbett, 42 Zoll Plasma-TV, Apple Mini Mac, kostenloser WLAN-Internetzugang, Safe, Kühlschrank, etc. pp. Durch eine riesige Öffnung in der Wand sieht man in das wunderschöne Badezimmer. Große Wanne, separate Dusche mit riesigem Duschkopf, Doppelwaschbecken, flauschige Badetücher, zwei Bademäntel, und auf dem Bett ein besonders flauschig-schweres Badetuch mit Lemuriaprägung. „This is a present for you!“. Oh, Danke! Nachdem ich alleine bin, teste ich erst mal, ob ich mit meinem Netbook auch wirklich ins Internet komme. Tatsächlich, funktioniert. Dann kann ich ja beruhigt erst mal zwei Stunden Schlaf nachholen. Also ab aufs Bett. Huiii, das ist gemütlich! Und schon bin ich im Reich der Träume.

Um 14.30 geht der Wecker, denn um 15 Uhr bekomme ich eine größere Führung durch das Gelände, und ich darf die Präsidentenvilla betreten und fotografieren. Diese ist mit 1.250 Quadratmetern mehr als üppig, aber den Preis von 9.000 Euro pro Nacht kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Und schön ist sie für mein persönliches Empfinden auch nicht wirklich. Prinzipiell ist sie genau so ausgestattet wie meine Junior Suite, das gleiche Bett, der gleiche Fernseher, nur bietet sie aber einen eigenen Poolbereich, einen eigenen Strandabschnitt und diverse Gästezimmer. Etwa sechs bis acht Mal pro Jahr wird sie gebucht, wie Sweety mir auf Anfrage erzählt. Ich frage, ob das dann in der Regel bekannte Schauspieler oder andere Prominente sind. Aber nein, es sind in der Regel „ganz normale Leute, nur mit viel mehr Geld!“. Fast alle sind Russen…

Gegen 17 Uhr lasse ich mich von einem der zahlreichen Golfwagen abholen. Mein Ziel ist die Anse Georgette, der einzige „Megastrand“ der drei Hauptinseln, welchen ich noch nicht kenne. Die Fahrt führt über das Golfgelände, und die Steigungen sind nicht zu verachten, da kommt schon halbwegs Achterbahnfeeling auf. Frank, der nette Fahrer, fragt mich, wann ich wieder abgeholt werden möchte. Wir verständigen uns auf 18:45, denn ich möchte nicht nur Baden, sondern auch den Sonnenuntergang fotografieren. Nur etwa fünf Leute sind am Strand, und ich staune erst mal, wie schön es hier ist. Der Strand erinnert mich enorm an die Anse Intendance auf Mahé, nur halt viel kleiner. Wie mag das erst im Licht der Mittagssonne aussehen? Morgen werde ich es sehen. Jetzt erst mal ab ins Meer. Herrlich! Als die Sonne langsam tiefer sinkt, entstehen wieder traumhafte Aufnahmen. Ich bin wieder voll in meinem Element und experimentiere wie wild herum. Die Ergebnisse zeige ich dann in ein paar Wochen, nur so viel sei bereits jetzt verraten: Materialschonung hat an diesem Abend keine Priorität! Ihr werdet später sehen was ich meine, aber zunächst mal muss ich nach meiner Rückkehr die beiden Hochzeiten und die Lemuriabilder bearbeiten, bevor es „Urlaubsfotos“ zu sehen gibt. Es sind jedenfalls zweifelsfrei meine bisher besten Seychellenbilder.

Um 18.45 holt Frank mich wieder ab und die Achterbahnfahrt startet erneut. Zurück im Hotel informiere ich mich darüber, was ich denn im Lemuria heute Abend essen könnte. Am besten klingt das internationale Buffet, jedoch animiert mich der Preis zu längerem Grübeln. Da ich aber vielleicht nur ein einziges Mal im Lemuria wohnen werde, entscheide ich mich für das Buffet. Und es wird das beste Essen, das ich je hatte. Ich bin wohl so ziemlich das Gegenteil eines Gourmets, aber bei diesem Essen jubilieren sämtliche Geschmacksnerven. Es fängt tatsächlich schon mit dem Päckchen Butter an, welches auf dem Tisch liegt. Ich beginne mit einer exzellenten Suppe, zu der ich ein wenig Brot nehme, welches ich mit der Butter bestreiche. Ich hätte nicht gedacht, dass es selbst bei Butter so große Unterschiede gibt. Danach lasse ich mir vom „Salatmann“ einen hervorragenden Salat mit Balsamico zaubern. Dazu wähle ich diesmal ein anderes der zahlreichen frisch gebackenen Brote. Anschließend Rinderfilet mit weißem Reis und einer genialen Tomaten-Sahne-Soße. Das Rezept scheint der Koch von Sabrina geklaut zu haben, denn die Soße schmeckt ähnlich wie die Paprika-Sahne-Soße, die ich zu Hause hin und wieder bekomme, wenn ich ganz lieb war.

Nach einer kurzen Pause, in der sich – wie schon bei den vorhergehenden Gängen – diverse Leute auf netteste Art und Weise nach meinem Wohlergehen erkundigt haben, marschiere ich zum asiatischen Teil des internationalen Buffets. Chicken Tikka und ein Fisch, dessen genaue Bezeichnung ich vergessen habe, finden auf meinem Teller Platz. Dazu gibt es noch indisches Brot, mit Knoblauch bestrichen, und ein eintopfartiges Linsengericht, welches von Konsistenz und Geschmack ein wenig an Chili Con Carne erinnert. Hähnchen und Fisch sind unschlagbar, die Kombination Brot & Eintopf bekommt “nur“ eine 2+. Eine erneute Verdauungspause ist angesagt. Eigentlich bin ich ja schon satt, aber nee, bei dem Preis esse ich bis zum Magenriss, das steht fest! Ich starte in Richtung Europa und entscheide mich beim Italiener für Rigatoni mit Marlin und Tomatensoße. Sehr lecker, aber schmeckt zu sehr wie beim Italiener um die Ecke – vom Marlin mal abgesehen. Zum Abschluss gönne ich mir noch ein Stück vom dem genialen Rinderfilet mit Tomaten-Sahne-Soße. Und zum wirklichen Abschluss dann noch je eine Kugel Erdbeer- und Vanilleeis. Dazu ein paar dünne Stücke Bruchschokolade, welche deutlich nach Scotch schmeckt. Nichts geht mehr. Ich unterschreibe für die Zeche (86,70 Euro ohne Getränke) und setze mich pappsatt in Bewegung in Richtung Zimmer. Nach wenigen Metern stoppt ein Golfwagen neben mir. „May I give you a lift?“. „Nichts da lift geben, Kollege – meinen Bauch kannze liften, aber sonst nix“, denke ich mir so, sage aber nur brav „no, thank you“ und laufe das Stück – besser is das! Satt liege ich auf dem Bett und danke dem Herrn, dass er mir nach diesem fantastischen Essen auch noch die Vorzüge des WLAN gönnt. So surfe ich ein wenig durch die Gegend, tippe zwischendurch an diesem fünften Teil des Reiseberichts und telefoniere anschließend mit Sabrina. Um 23 Uhr schalte ich das Licht aus und nehme mir vor, am Sonntag mal richtig auszuschlafen. Frühstück gibt es schließlich bis um 10.30, und die Anse Georgette rennt mir nicht weg.

Man schläft wirklich fantastisch in diesem Bett! Um 7.30 werde ich wach, lasse es dann ganz gemütlich angehen und gehe um kurz nach 9 zum Frühstück. Hier werden so ziemlich alle Wünsche erfüllt, selbst perverse Engländerfantasien werden befriedigt. Der frische Obstsalat ist eine Wucht, ebenso die zahlreichen Brotsorten. Selbst die Salami hat das Prädikat „vom Fotomann als lecker empfunden“ verdient… Das Omelett mit Käse, Schinken und Paprika sowie das Spiegelei runden die Sache perfekt ab. Gerne hätte ich noch die verschiedenen Cornflakes probiert, aber die passen nicht mehr rein. Nach dem Frühstück dann der Check an der Rezeption: Hat Rachel, mein „fotografischer Ansprechpartner“, sich gemeldet? Fehlanzeige. So etwas kann ich wirklich hassen, das ist unprofessionell. Ich SMSe mit der PR-Dame in Deutschland. „Das ist ja doof, dass Sie niemand vernünftig briefen kann. Machen Sie mal einfach wie Sie meinen und genießen Sie das schöne Wetter!“. Die Dame an der Rezeption meint, dass ich etwas von allem fotografieren und mich gerne der Anse Georgette fotografisch intensiv widmen soll, denn heute ist ja das Wetter besonders schön und aktuelle Fotos vom „Hausstrand“ könne man immer gut gebrauchen. Und da ist sie bei mir genau an der richtigen Adresse! Ich creme mich ein, packe meine Fototasche, ziehe die Turnschuhe an, lasse mich mit dem Golfwagen zur Anse Georgette bringen und widme mich dieser Traumbucht fotografisch über zwei Stunden lang. Schon vor Ort bin ich von den Bildresultaten völlig begeistert, alles stimmt, das Licht ist perfekt, ebenso mein erkletterter Standort. Soeben erfolgte Sichtung am Display im abgedunkelten Hotelzimmer bestätigt, dass man diese Bucht für meinen persönlichen Geschmack wohl nicht besser ablichten kann – zumindest nicht ohne Hubschrauber, den man stundenlang selbst dirigieren kann. Mehrere Badepausen runden das Shooting ab, denn ein sich aufopfernder Fotograf muss nun mal eins werden mit dem Motiv…

Anschließend werfe ich mich wieder in die etwas feineren Klamotten und widme mich dann fotografisch dem Spa. Schon toll, als angemeldeter Fotograf darf man überall hinein und bekommt auch noch alles detailliert erklärt! Anschließend kommt der Poolbereich vor die Linse, und zum Sonnenuntergang lasse ich mich wieder von Frank – der mittlerweile ein nettes Trinkgeld bekommen hat und mir seitdem noch öfter „zufällig“ entgegen kommt – zur Anse Georgette runter bringen. Die Achterbahnfahrt macht immer mehr Spaß, denn mittlerweile kenne ich die Strecke und weiß, wie es nach der nächsten Kuppe weitergeht. Ein französisches Paar kommt mir auf den letzten Metern zum Strand entgegen und erzählt mir, dass ich nun der einzige bin. Und so ist es auch, kein Mensch mehr weit und breit. Es ist Flut, die Wellen kommen mit voller Wucht rein und klatschen mit lautem Getöse an die Felsen. Ich ziehe mich bis auf die Badehose aus und gönne meiner Kamera den Vollwaschgang. Materialschonung bringt nun mal keine spektakulären Ergebnisse, das ist in der Formel Eins genau so. ich bin jedenfalls heilfroh, dass ich alles gut versichert habe, denn heute bringe ich die Ausrüstung wirklich an die Grenze der Belastbarkeit. Nach soeben erfolgter Sichtung der Bildresultate bin ich heilfroh darüber, in dieser Beziehung etwas „verrückt“ zu sein!

Anschließend fotografiere ich dann das Buffet kurz vor der Eröffnung. Alles ist noch jungfräulich, die Desserts stehen bereits wie mit dem Lineal vermessen in Reih und Glied und warten darauf, verspeist zu werden. Von mir allerdings heute nicht, denn das ersparte Geld investiere ich lieber im kommenden Jahr in einen Tag mit Halbpension bei Babi auf La Digue!

Bei mir gibt es heute Abend etwas Obst und Schokokekse in der Suite, und dabei tippe ich an diesem Bericht hier. Morgen dann wieder lecker Frühstück und anschließend mit dem Golfwagen zur Anse Georgette. Gegen Mittag checke ich dann aus, nehme meinen Mietwagen in Empfang und düse zu meiner letzten Station: Vier Tage Privatunterkunft direkt an der Anse Lazio! Falls ich mich von dort nicht mehr melde, so gibt es den Abschlussbericht erst nach meiner Rückkehr.

Sonnenverwöhnte Grüße

Torsten

Teil 6:
Das Frühstück ist wieder großartig und der Mietwagen wird pünktlich geliefert. Ein kleiner, nagelneuer Daihatsu Sirion mit 276 Kilometern auf der Uhr. Ich kann zwischen manueller Schaltung und Automatik wählen und entscheide mich für die Automatikvariante. Das Auto hat zwar nur ein Achtel des Sexappeals eines Mini Moke, aber es fährt. Und ab geht´s zur Anse Lazio! Luftlinie sind es zwar nur wenige Kilometer, aber mit dem Auto muss man wirklich komplett rum und am Vallée de Mai vorbei. 45 Minuten dauert die Fahrt – 23 Kilometer. Ich rufe den Besitzer meiner Unterkunft – den ich ab hier nun der Einfachheit halber nur noch „den Chef“ nenne – an, denn ich weiß nur, dass die Unterkunft recht versteckt leicht oberhalb der Anse Lazio liegt. Wir treffen uns am Restaurant Chevalier. Direkt am Strand entlang laufen wir mit meinem Gepäck an allen Touristen vorbei, die leicht verwirrt gucken. Wo will der Typ denn wohl mit dem Gepäck hin? Dabei haben wir den ganz großen Koffer erst mal nur in den Kofferraum von Chefs Auto umgepackt, welches direkt neben meinem parkt. „Den Koffer holen später meine beiden boys“, so der Chef, denn seine Bandscheiben sind ähnlich lädiert wie meine. Er hat da zwei Jungs an der Hand, die ihm für etwas Geld den Garten machen oder andere Kleinigkeiten erledigen. An der wohl schönsten Stelle des Strandes geht es dann einen kleinen Pfad entlang, und nach etwa 50 Metern sind wir dann am Ziel. Wow, das nenne ich mal urig! Ich stehe vor dem genauen Gegenteil des Lemuria, nämlich einer enorm einfachen, aber paradiesisch gelegenen Unterkunft, die vom Strand aus nicht mal zu erahnen ist. Der Chef zeigt mir mein Zimmer. Alles da, was man braucht – aber auch kein Teil mehr… Prinzipiell bin ich mit so einfachen, aber toll gelegenen Unterkünften immer sehr glücklich, aber der Gegensatz zum Lemuria ist schon krass. Immerhin gibt es gegen drei Euro Aufpreis pro Nacht eine Klimaanlage – und die ist auch bitter nötig. Der Chef führt mich ein wenig herum und zeigt mir etwas versteckt im Dschungel einen Bachlauf, der knapp an der Unterkunft vorbei fließt. Er hat dort eine Rohrkonstruktion gebaut, die das Wasser staut und dieses nach Öffnen eines Absperrventils als dicken Massagestrahl entlässt. Das wird ein Spaß, Duschen unterm Wasserfall! Natürlich gibt es im Zimmer eine „richtige“ Dusche, aber die Naturdusche werde ich auch sicher mal testen.

Die beiden Haushunde „Jet“ und „Lecter“ bellen wie verrückt in ihrem etwa 3 x 6 Meter großen Zwingerverschlag, als ich an ihnen vorbei laufe. „They will get used to you“. Abends laufen die beiden frei, ich freue mich schon drauf. Die ältere der beiden erinnert mich ein wenig an unsere Leika; Schäferhund steckt auf jeden Fall mit drin.

Da das Meer so schön rauscht und von hier oben herrlich leuchtet, werde ich nun mal die paar Stufen hinab steigen und ein Bad nehmen. Man liest sich!

So, Bad erledigt und abschließend mit dem Mietwagen mal zur Anse Volbert gefahren. pico, ich habe etwas für Dich! Und Schatz, für Dich natürlich auch!! Im Supermarkt habe ich mir sechs Faschen Wasser, eine Cola und drei Flaschen SeyBrew gekauft. Auf der Rückfahrt folge ich dem Schild nach Zimbabwe, denn irgendwer erzählte mir, dass man von dort oben einen tollen Ausblick haben soll. Die Steigung ist enorm, die Automatik des kleinen Daihatsu wählt die niedrigste Fahrstufe und ackert sich den Berg hinauf. Der Ausblick ist wirklich toll, ich parke, steige aus und stelle fest, dass ich seit Stunden nichts mehr getrunken habe. Aber ich habe ja meine Einkäufe. Das einzige kalte muss dran glauben – SeyBrew! Minimal beschwipst fahre ich den Berg wieder hinab und staune nicht schlecht, als mir an der steilsten Stelle ein schnaufender Tata-Bus entgegen kommt. Hut ab, Herr Bus!

Wieder zurück an der Anse Lazio sehe ich, wie der Chef sein Auto auf dem Parkplatz hin und her rangiert. Immer und immer wieder. Ich laufe näher ran und sehe, dass nicht der Chef, sondern ein maximal 15jähriger Junge hinter dem Steuer sitzt. Auf dem Beifahrersitz ein Junge von vielleicht zwölf Jahren. Aha, das sind sicher die erwähnten „boys“. Ab welchem Alter dürfen die denn hier Auto fahren?? Ich nehme meine Einkäufe aus dem Wagen und entferne mich ein paar Meter. Immer und immer wieder setzt der Knabe den Wagen zurück, fährt ein paar Meter, dreht und setzt wieder in die ursprüngliche Parkposition zurück. Dann steigt er aus, nimmt meinen Koffer aus dem Kofferraum, öffnet den Reißverschluss und fängt an, darin herum zu wühlen. „HEYYY!!!“. Der Knabe zuckt zusammen. “Take that suitcase and bring it over here!!“. Ich bin echt stinksauer, auch wenn er noch ein Kind ist. „Is it yours?“. „Yes, it is. Follow me!“. Schweigend stapft er hinter mir her, den schweren Koffer auf seinem Kopf transportierend. Normalerweise würde ich ihm die Last ja abnehmen, aber als Kofferdurchwühler ist er bei mir unten durch. An der Unterkunft stellt er den Koffer ab, verabschiedet sich schnell vom Chef und sucht das Weite. Ich überlege kurz, ob ich ihn verpfeifen soll – und ja, ich tu es. Sonst fehlt dem nächsten Gast vielleicht der Reisepass oder was auch immer. Chef kann kaum glauben, was er da hört. Der grabbelt im Koffer rum? Und fährt mit meinem Auto? Kurze Zeit später bekomme ich mit, wie er am Telefon eine hitzige Diskussion mit dem Vater des Jungen führt. Der bekommt sicher mächtig Ärger… *grübel*

Ich gehe in mein Zimmer und übertrage die aktuellen Bilddateien von meiner CF-Karte zuerst auf mein Notebook und dann noch zur zusätzlichen Sicherheit auf meinen ImageTank. Schließlich heiraten Sebrina und Stefan („Sebrina“ aus unserem Forum) morgen, und da brauche ich Platz auf den Speicherkarten! Da ich draußen Gebell höre, gehe ich raus. Aha, die beiden Hunde laufen frei. Der jüngere ist sofort hinter den Verschlag gerast und beißt mal eben einen Tenrek tot. „Das macht der öfter“, so der trockene Kommentar des Chefs, der sehr gutes Deutsch mit bayrischem Akzent spricht, da seine Ehefrau Deutsche ist. Das klingt mal echt witzig, wenn ein Seychellois bayrisch redet! „Wenn es morgen hell ist, dann bringe ich den Tenrek unten zu den großen Krabben an den Strand. Das geht immer ganz schnell, nach ein paar Stunden ist vom Tenrek nichts mehr übrig“…

Nach dem leckeren Abendessen (ich bin derzeit der einzige Gast, am Mittwoch kommt noch ein deutsches Paar hinzu) lege ich mich aufs Bett und lese endlich mal die Februarausgabe der „VIEW“, die ich abonniert habe. Gegen 22 Uhr schlafe ich ein und wache erst gegen 7.30 wieder auf. Um 8 Uhr bin ich der erste an der Anse Lazio. Ich bade ein wenig, mache dann ein paar Fotos und gehe um kurz vor 9 Uhr hoch und frühstücke. Die Frühstückszeit kann man frei wählen, im Kühlschrank steht alles bereit. Danach packe ich meine Fototasche für die Hochzeit, gehe dann wieder die paar Schritte runter und fotografiere den nun nicht mehr menschenleeren Strand. Um 12 Uhr setze ich mich ins Auto und fahre die 22 Kilometer bis zum „Islander´s Guesthouse“, denn dort wohnen die vier (Sebrina und Stefan + Sebrinas Eltern). Dort angekommen, fotografiere ich die Vorbereitungen der Braut: Haare stylen, Brautkleid anziehen, was halt so dazu gehört. Um 16 Uhr wird geheiratet. Am Strand wurde alles liebevoll dekoriert, nur die schon recht tief stehende Sonne direkt im Rücken des Brautpaares ist fotografisch eher suboptimal. Die Zeremonie geht mal wieder viel zu schnell, es bleibt nur Zeit für ein paar „Standardschüsse“. Nach dem Sekt und der obligatorischen Torte macht die „Hochzeitspaket-Fotografin“ die typischen Standardfotos in der prallen Sonne: Brautpaar kniend, Brautpaar hinter dem Palmblatt winkend, Brautpaar an abgestorbenen Baum angelehnt und auf ein imaginäres Objekt in der Ferne zeigend. Nicht mein Ding! Ich fahre anschließend mit den Vieren ein paar Kilometer weiter an einen ruhigen Strand und mache dort mit ihnen die Bilder, die mir vorschweben – und das Brautpaar ist begeistert. Es passt mal wieder alles, schönes Licht, gute Stimmung, kleine einheimische Jungen spielen am Strand und schlagen auf unseren Wunsch vor der Kamera Salti und Flic-Flac. Um 19 Uhr wird es dunkel, ich bringe die „Hochzeitssippe“ zurück zur Unterkunft und mache mich in völliger Dunkelheit auf den 22 Kilometer langen Weg zurück zur Anse Lazio. Nachdem ich mich einmal kurz verfahre und plötzlich am Hafen stehe, finde ich den korrekten Weg (bei Tageslicht war das alles kein Problem) und bin um 20:20 wieder an meiner Unterkunft. Zum Glück habe ich die Taschenlampe mitgenommen, denn an der Anse Lazio ist es wirklich stockdunkel. Hunderte Krabben fliehen aus dem Lichtkegel meiner Taschenlampe. Oben angekommen, stelle ich zunächst mal die vier unterwegs erworbenen SeyBrew in den Kühlschrank, denn nach dem Abendessen habe ich zur Feier der gelungenen Fotosession eine „One-man-Party“ geplant… *gg*. Zum Abendessen gibt es einen köstlichen Red Snapper mit leckerer, kreolischer Soße. Danach dann ein paar SeyBrew, und währenddessen tippe ich diesen Bericht hier. Morgen hole ich das Brautpaar um 15 Uhr ab, denn wir wollen im Lemuria und an der Anse Georgette Fotos machen. Am Donnerstag möchten die beiden nach La Digue rüber und dort auch Fotos machen. Nachdem Sebrina das sagte, kam mir eine großartige Idee. Ich habe soeben bei Gellwien angerufen, dort wird nun geprüft, ob ich von Donnerstag auf Freitag noch ein Zimmer auf La Digue bekommen kann, denn das wäre meine Chance, ein ganz bestimmtes Foto zu machen, welches ich zeitlich auf La Digue nicht mehr hinbekommen habe. Dafür muss man zwar schon etwas bekloppt sein, aber naja – wenn nicht ich, wer dann? Aber ob das überhaupt noch alles hinhaut: Ich bin gespannt. Und wenn es diesmal nichts wird, dann behalte ich die „Foto-Idee“ für mich, habe hierdurch immerhin ein konkretes fotografisches Ziel und somit einen guten Grund für die nächste Seychellenreise…

So, 17 Stunden später: Gellwien riefen soeben an, es ist zwar möglich, aber zu einem Preis, der mir für diese Aktion doch leider zu hoch ist. Ich werde also eines Tages nochmals für längere Zeit nach La Digue „müssen“…

Es regnet übrigens soeben zum dritten Mal seit meiner Ankunft auf den Seychellen: Es gab den erwähnten halben Regentag auf La Digue mit heftigen Niederschlägen, dann einen kurzen Guss bei Nacht, als ich im Lemuria weilte und nun um 14:20 Ortszeit ein paar Tropfen, die aber schnell vorbei zu ziehen scheinen.

Okay, dies ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mein letzter „Reisebucheintrag“ von den Seychellen. Meine Bitte an alle, die in absehbarer Zeit nach La Digue kommen – ganz besonders an Jürgen III: Nehmt Euch ein paar Minuten Zeit und redet mit der Managerin vom L´ Ocean bezüglich der einsamen Schildkröte (sofern sie ihr Dasein denn noch immer dort unterhalb der Straße am L´ Ocean fristen muss). Steter Tropfen höhlt den Stein!

Fotos folgen dann nach und nach ab April.

Viele Grüße,

Torsten

ENDE:
Am Mittwoch mache ich mir einen gemütlichen Vormittag an der Anse Lazio: Bilder machen und Baden im Wechsel. Am Nachmittag stehen dann wie geplant Brautpaarfotos im Lemuria an. Sebrina und Stefan sind ebenfalls begeistert von der Anlage. Vier Stunden halten wir uns auf dem Gelände des Lemuria auf, und ich lerne auch endlich Maxime, den „Front of House“-Manager, kennen, der ja zuvor auf Mauritius weilte.

Am Donnerstag nehmen wir dann die 10-Uhr-Fähre nach La Digue. Schon auf der Überfahrt wird klar, was uns erwartet: Es sind fast ausnahmslos Italiener an Bord; einer meint, den Pausenclown machen zu müssen, fotografiert mit seiner Digiknipse seine Landsleute und verzichtet dabei nicht auf spektakulär aussehendes Rumgeturne. Es soll offenbar so aussehen, als wenn er der Checker ist und immer den idealen Schusswinkel sucht. Anscheinend reißt er dabei auch noch tolle Sprüche, denn das halbe Boot lacht, sobald er den Mund aufmacht. Im Hafen von La Digue dann der absolute Kulturschock: Der Anleger steht komplett voll! Alle Taxifahrer und Fahrradvermieter der Insel haben sich versammelt und machen einen auf Basar, indem sie jedem Neuankömmling direkt die Hand schütteln und anlabern: „Hey man, need a good bike for today to explore the island?“. Wir kämpfen uns durch einen Menschenpulk. Das Ganze erinnert mich irgendwie an 100 Quadratmeter Wies´n am Eröffnungswochenende…

Da unsere Zeit drängt (wir müssen bereits die Fähre um 15:30 zurück nehmen), bitte ich Taxifahrer Jamie, uns zur Grand Anse zu bringen. Als wir dort ankommen, die Erleichterung: Nur etwa 20 Leute sind dort – auch wenn mindestens 50 Fahrräder unten in der Nähe des Restaurants stehen. Wo sind die Besitzer nur immer alle?? Auf jeden Fall scheinen die mit uns angekommenen Italiener wohl zur Source d´ Argent gepilgert zu sein, denn hier sind sie jedenfalls nicht. Wir gehen zu dritt Baden, doch nach wenigen Minuten höre ich wieder den Felsen rufen. Da habe ich beim Abschied am Samstag nicht mit gerechnet, dass ich so schnell wieder hierher zurück kommen werde! Unten stehen wieder Touristen, zeigen zu mir herauf und stecken die Köpfe zusammen. Übrigens hatte ich zuvor mal interessehalber mehrere Einheimische gefragt, ob es möglich ist, nach dort oben zu klettern. „No, this is not possible“. Die Möglichkeit unten von der Petite Anse scheint keiner zu kennen. Wer den Weg von Euch kennt: Bitte niemandem verraten, sondern die Aussicht ganz egoistisch alleine genießen. Denn Ihr wisst, mittlerweile fallen die Kleingruppen auch an der Anse Marron ein und die letzten „save havens“ sterben langsam aus.

Um 13:00 Uhr holt uns das Taxi wieder ab, und genau in dem Moment, in dem wir die Grand Anse verlassen, fallen die italienischen Heuschrecken ein. Weit über 50 Leute. Allen voran ein aufgekratzter Typ mit einer 1er EOS und einem umgehängten Blitzakku, mit dessen Hilfe er pro Sekunde etwa 10 Blitze unter Volllast abfeuern kann. Wofür??? Er will offenbar gleich ein Gruppenfoto an der Grand Anse machen, denn wir bekommen noch so eben mit, wie er anfängt, die Leute zu positionieren. Da unser Taxi aber wartet, hauen wir ab. Nicht, ohne vorher noch über die Videofrau zu staunen, die die Gruppe mit einer recht professionellen Kamera und einem soliden Dreibeinstativ begleitet. Was machen die denn? Sieht so Cluburlaub bei den Italienern aus? Gruselig…

Offenbar waren die Italiener zuvor an der Source d´ Argent, denn dort sind wir nun nahezu alleine, keine zehn Touristen sind dort. Zum ersten Mal seit Jahren sehe ich die Source d´ Argent mal wieder bei Ebbe. Zum Baden ist das ja mal wirklich nichts, aber fotogen ist die Bucht dann doch! Zwei Stunden zuvor hätte man dort phänomenale Fotos machen können (vorausgesetzt, dass es dann auch so menschenleer gewesen wäre!), aber nun ist die Sonne schon etwas zu weit Richtung Westen gewandert. Dennoch sind ein paar nette Bilder dabei, die mir noch in meinem „Seychellenportfolio“ fehlten. Um 15:30 legt die kaum gebuchte Fähre ab und ich bin heilfroh, die Insel nicht nur als Tagestourist zu kennen. Denn sonst wäre ich ziemlich enttäuscht. Beim nächsten Besuch werde ich mindestens 14 Tage auf La Digue einplanen, vielleicht sogar noch einige mehr.

Zum Sonnenuntergang ist es heute soweit, Sebrina geht mit ihrem Brautkleid komplett ins Meer. Eigentlich wollten wir heute sogar mein „Traumfoto“ machen, auf dem das Brautpaar Hand in Hand in voller Montur mit Anlauf vom Bootsanlegesteg ins Meer springt. Leider sind die Gezeiten nicht auf unserer Seite, denn das Wasser ist derzeit nur knapp über einen Meter tief. Hinzu kommt noch, dass der Meeresgrund dort mit einer stinkenden, braunen Schicht überzogen ist. Ob da etwa ein Bootseigner seine Bordtoilette entleert hat? Das Sprungfoto fällt somit leider definitiv flach, aber immerhin gibt es eine schöne Wasserschlacht. Bilder folgen! Anschließend brettere ich zum dritten Mal die 22 Kilometer in völliger Dunkelheit um die Insel. Mittlerweile kenne ich jede Kurve beim Namen.

Am Freitag wache ich um 8 Uhr auf. In elf Stunden muss ich am Flughafen sein, also was tun mit dem letzten Tag? Ins Vallée de Mai (welches übrigens derzeit einen neuen, säulengesäumten Eingangsbereich bekommt)? Irgendwie gehört der Gang durchs Vallée de Mai ja zu einem Praslinbesuch unbedingt dazu, aber ich war bereits 1993, 2000 und 2004 dort. Also den Tag an der Anse Lazio mit 50 weiteren Touristen verbringen? Wäre schön entspannend und fotogen, denn es gibt heute nur ein paar winzige Wölkchen am ansonsten strahlend blauen Himmel. Aber ich entscheide mich dann doch für die Wanderung von der Anse Lazio zur Anse Georgette – die soll zwar phasenweise sehr anstrengend, aber auch sehr schön sein. Und ich bin nun im Nachhinein heilfroh, dass ich sie unternommen habe, denn die Aussichten an diesem fast wolkenlosen Tag sind einfach spektakulär. Hat man den Polfilter aufgeschraubt, so erblindet man fast beim Blick durch den Sucher auf Grund der enormen Farbenpracht! Ungefähr auf der Hälfte der Wanderung – ich lege soeben eine dringend notwendige Trinkpause ein – ruft Sabrina an und berichtet, dass zu Hause derzeit quasi zum ersten Mal seit meiner Abreise vor 15 Tagen die Sonne scheint. Ansonsten hat es jeden Tag viele Stunden heftig geregnet – manchmal sogar von morgens bis abends ohne Pause. Ich hatte auf La Digue wie bereits erwähnt nur einen halben Regentag und auf Praslin zwei Schauer – einen davon bei Nacht.

Erwähnte ich bereits, dass die Aussichten auf dieser Wanderung teils atemberaubend sind? Aber so richtig ins Japsen komme ich, als sich die Anse Georgette vor mir ausbreitet: Ich stehe ganz oben am höchsten Punkt, nur weiße Wolkentupfer am Himmel, die Sonne steht um halb zwölf noch hinter mir, an der Georgette herrscht Ebbe und es Baden nur etwa fünf Menschen im Wasser. Der Hammer! Ich mache mindestens 20 Fotos, alle halbwegs identisch, aber ich kann nicht aufhören, den Auslöser zu drücken. Viel zu schön ist, was ich dort sehe. Ich packe die Kamera ein und sauge die wahnsinnigen Farben noch ein paar Minuten mit bloßem Auge auf. Der Schweiß rinnt mir noch immer in dünnen Bächen von der Stirn. Eigentlich rinnt er so ziemlich überall, also ab nach unten und rein ins Vergnügen. Es ist ähnlich wie nach meiner Ostumrundung von La Digue am Freitag dem 13.: Das Meer zischt förmlich, als ich hinein gleite. Etwa 20 Minuten genieße ich dieses letzte Bad im Indischen Ozean, dann heißt es Abschied nehmen von der Anse Georgette, denn ich will den Bus um 13:10 unterhalb des Lemuria erwischen. Eine Busfahrt auf Praslin gehört ja irgendwie auch mit dazu. Frank kommt mit dem Golfwagen angekachelt und staunt nicht schlecht, als er mich schon wieder sieht. Während er mich runter zum Haupttor bringt, schwärme ich ihm von der Wanderung vor. An der Bushaltestelle angekommen, ziehe ich mir erst mal genüsslich die kurz zuvor im Shop käuflich erworbene Dose Coca-Cola rein. Huiiiii, wie das zischt! Gibt es etwas Erfrischenderes als eine eiskalte Coke? Und gegen den Durst dann noch eine Flasche Wasser hinterher. Der Bus kommt pünktlich und der wilde Ritt beginnt. Hat der Fahrer vielleicht ein verbranntes Ohr? Mal sehen… nee, nichts zu erkennen, aber der fährt jedenfalls wie Sau! Ich ratsche mir in einer schnell genommenen Kurve erst mal die Wade an einem der „Busstühle“ auf. „Sitz“ oder gar „Sessel“ darf man dazu ja nicht sagen. Scharfe Kanten gibt es jedenfalls reichlich, wie ich schmerzhaft feststellen muss… Für sieben Rupien – das sind etwa 35 Cent – spurte ich innerhalb einer knappen Stunde um die gesamte Insel. An der Anse Boudin ist dann Endhaltestelle, nun heißt es noch etwa 20-25 Minuten zu Fuß über den Berg zur Anse Lazio. Aber da der Herrgott es bereits auf dieser traumhaften Wanderung so gut mit mir gemeint hat, schickt er mir zwei Minuten nach dem Aussteigen aus dem Bus meinen „Chef“ von hinten mit seinem Auto heran, und drei Minuten später bin ich unten an der Anse Lazio. Dann Kofferpacken, eine letzte ausgiebige Dusche und ab zum Flughafen. Ich bin ziemlich früh dran – und das ist auch gut so, denn so kann ich in der Nähe des Flughafens noch in Ruhe einen wunderschönen Sonnenuntergang fotografieren.

Der kurze Flug nach Mahé in einer enorm engen Maschine (die vor 15 Tagen war deutlich geräumiger!) ist ja erst der Anfang meiner „Flugodyssee“. Zunächst mal gilt es, nun satte sechs Stunden am Flughafen auf Mahé abzuhängen. Wie der Zufall es aber will, lerne ich Roland Becker kennen – einen sehr netten Deutschen, der seit Jahren auf Mahé lebt und dort verheiratet ist. Er nimmt mich mit zum „Fairyland“, denn dort gibt es für 150 Rupien (= derzeit etwa 7,50 EUR) ein leckeres kreolisches Buffet. Der Laden ist am Freitagabend sehr gut besucht, eine Liveband spielt internationale Hits von U2 über die Rolling Stones und zurück, die Gespräche mit dem sympathischen Roland sind sehr interessant und der Maler Michael Adams, der mit Ehefrau und Freunden am Nebentisch diniert, ist nun stolzer Besitzer meiner Visitenkarte…

Gegen 23 Uhr setzt Roland mich wieder am Flughafen ab. Noch über zwei Stunden warten, dann beginnt das Boarding endlich. Der Flieger ist ziemlich voll, aber immerhin ist der Platz neben mir frei. Zwei Stunden schlafe ich in ziemlich irrer Körperhaltung und lehne das Frühstück dankend ab, als ich kurz vom Service geweckt werde – schließlich habe ich den Bauch noch voll vom „Fairyland“. Zwei Stunden Aufenthalt in Dubai vergehen schnell, und nun sitze ich hier im Flieger über Warschau und tippe an meinem Abschlussbericht.

Mein persönliches Fazit:

La Digue war mal wieder phänomenal schön! Man muss halt nur versuchen, sich von den Massen fern zu halten, die – wie mehrfach live erlebt – tatsächlich stundenweise auf La Digue einfallen. Ich habe wieder neue Seiten und Fotospots der Insel entdeckt, in Rondy einen treuen Wegbegleiter und im „Kot Babi“ die für mich perfekte Unterkunft gefunden. Ich werde auch in Zukunft wieder täglich an diese wunderschöne Insel denken und noch viele Wochen damit beschäftigt sein, mir die zahlreichen Fotos anzusehen. Bereits jetzt habe ich neue fotografische Pläne für den nächsten Aufenthalt auf La Digue. Ich kann es schon gar nicht mehr abwarten!

Praslin: Die Anse Lazio ist noch immer wunderschön, aber die Anse Georgette hat da nun noch ein ganzes Schippchen drauf gelegt! Das Straßennetz der Insel kenne ich nun in- und auswendig, aber das ist auf Praslin ja nun auch nicht übertrieben kompliziert… Vielen Dank auch an Bernd, der mir vor Reiseantritt tolle Tipps für Praslin gegeben hat, von denen ich aber aus zeitlichen Gründen keinen mehr in die Tat umsetzen konnte.

Mahé habe ich bei diesem Besuch nicht bereist, aber ich habe ganz aktuelle Luftaufnahmen von der Petite Anse gesehen. Ich kann nicht wirklich nachvollziehen, wie man diese Unterkunft als „kaum auffallend und harmonisch in die Landschaft integriert“ bezeichnen kann, denn das ist sie nun wirklich nicht. Es hätte zwar schlimmer kommen können („Coral Strand“), aber die Anlage ist schon heftig.

So, das soll es von meiner Seite gewesen sein. Ich sichte in den nächsten Tagen nun zunächst die Lemuria- und die Hochzeitsfotos, und anschließend folgen dann die ersten „Urlaubsbilder“. Wer Links zu den jeweiligen Bildern möchte, der möge sich bitte einfach bei mir melden.

Viele Grüße

Torsten

http://www.hochzeit-seychellen.de

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